Das private Altenheim Dünwald in Hüpstedt im Unstrut-Hainich-Kreis habe mit sofortiger Wirkung seinen kompletten Geschäftsbetrieb eingestellt, berichtete die Zeitung "Thüringer Allgemeine".Zu diesem Schritt habe sich die Betreiberfirma auf Anraten der Heimaufsicht des Landes Thüringen entschlossen. "Wir haben keine Möglichkeit gehabt, etwas dagegen zu machen, innerhalb einer Woche zu schließen", erklärte Heimleiter Enrico Mieth der Zeitung.

In den vergangenen Monaten habe es immer wieder Beschwerden über die Qualität der Pflege in dem Heim gegeben, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf das Landesverwaltungsamt. Die Personalsituation im Pflegeheim hat sich diesen Angaben zufolge innerhalb kürzester Zeit "dermaßen verschlechtert". Der Behörde zufolge handelt es sich um die erste Schließung eines Pflegeheimes in Thüringen überhaupt. Betroffen seien 25 Bewohner, die zum größten Teil bereits in anderen Heimen der Region untergebracht wurden.

Bereits im März musste in Langenhorn bei Hamburg das Altenheim Röweland schließen. Auch dort fehlten ausreichend qualifizierte Fachkräfte, um das Haus mit insgesamt 230 Betten weiter betreiben zu können.

Kommentar · PFLEGE: Auf dem Rücken der Mitarbeiter

Das ist ein unguter Vorbote - und er weist über Thüringen hinaus: Im Eichsfeldort Hüpstedt musste ein Pflegeheim schließen, weil Fachkräfte fehlten. Ohne eine ausreichende Zahl von Mitarbeitern ist eine Versorgung der Bewohner nicht möglich. Die Aufsichtsbehörde musste handeln.

Im thüringischen Fall mögen mehrere Faktoren zusammentreffen: kleiner Ort, abgelegene Lage, wirtschaftlich labile Situation des Betreibers. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass nicht nur dort der Pflegenotfall droht. Mit dramatischen Folgen - auch für die betroffenen Bewohner.

Vielerorts sind Pflegeheime, was die Personalausstattung betrifft, auf Kante genäht - um es noch positiv zu formulieren. Da wird in Dienstplänen und vor angekündigten Kontrollbesuchen geschönt, was eigentlich nur in düsteren Farben zu beschreiben ist: Fachkräfte fehlen an allen Ecken und Enden.

Der Mangel kommt nicht von ungefähr. Schichtbetrieb, eine hohe körperliche und seelische Belastung, der immense Zeitdruck - und das alles zu vergleichsweise lausiger Bezahlung - führen dazu, dass selbst hochmotivierte Kräfte oft schon nach wenigen Jahren das Handtuch werfen oder mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit beruflich zurückstecken. In vielen Heimen wurde in den vergangenen Jahren die Rechnung auf dem Rücken der Mitarbeiter gemacht.

Jetzt ist das Wehklagen groß - und es wird weiter anschwellen, weil eine deutlich alternde Gesellschaft mehr und nicht weniger Pflegekräfte braucht. Wäre es da nicht angebracht, eine Attraktivitätsoffensive für Pflegekräfte zu starten, angemessene Bezahlung inbegriffen?

ELISABETH ZOLL