Berlin Experten stehen hinter Gesetz zur Beschneidung

Berlin / CHRISTINE BÖHM 28.11.2012
Bei der Bundestagsanhörung sprach sich die Mehrheit der Experten für das geplante Beschneidungsgesetz aus. Änderungsanträge wurden kritisiert.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur religiös motivierten Beschneidung von Jungen ist in einer Bundestagsanhörung von der Mehrzahl der elf Experten befürwortet worden. Einige Fachleute sehen in dem Ritual jedoch einen Verstoß gegen das Kindeswohl.

In der Anhörung vor dem Rechtsausschuss bewerteten die Mediziner, Juristen und Vertreter von Religionsgemeinschaften nicht nur den Gesetzesentwurf des Bundestags, sondern auch die Anträge der Abgeordneten. Jerzy Montag (Grüne) fordert in einem Änderungsantrag, dass der Protest eines Kindes gegen eine Beschneidung berücksichtigt werden soll. Er ist der Meinung, dass auch noch nicht einwilligungs- und urteilsfähige Kinder in der Lage seien, ihren Willen zum Ausdruck zu bringen. Außerdem verlangt Montag, die Frist, in denen Nicht-Ärzte die Beschneidung vornehmen dürfen, auf einen Zeitraum von 14 Tagen nach der Geburt zu beschränken. Problematisch ist für ihn, dass die "Laien" keine Narkosemittel verwenden dürfen.

Die SPD-Rechtspolitiker Burkhard Lischka und Christine Lambrecht fordern in einem Antrag unter anderem, dass das erforderliche Beratungsgespräch mit den Eltern von Ärzten geführt werden muss. Außerdem wollen sie, dass die Anforderungen an die Beschneider sowie an die Betäubung bundeseinheitlich geregelt werden.

Dass die Beschneidung erst ab dem 14. Lebensjahr erfolgen darf, verlangen die Kinderrechtspolitikerinnen Marlene Rupprecht (SPD) und Katja Dörner (Grüne) in einem weiteren Antrag. Diese Forderung sieht die Bamberger Rabbinerin und Medizinerin Antje Yael Deusel als problematisch an. Es sei den Kindern nur schwer zu vermitteln, warum sie so lange nicht zur Gemeinschaft dazugehören dürften. Zudem könne ein unbeschnittener jüdischer Junge keine Bar Mitzwa feiern. Diese findet in der Regel im 13. Lebensjahr statt. Deusel sagte, die Beschneidungen müssten erlaubt werden, "damit jüdisches Leben in Deutschland erhalten bleibt". Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan J. Kramer, sagte, ein solches Verbot widerspreche dem Recht auf Religionsfreiheit. Die anderen Anträge fanden nur bei einer Minderheit der Experten Zuspruch.

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