USA Experte zur Wahl in Alabama: Da geht es nur um die Person Roy Moore

Josef Braml ist Autor des Blogs „usaexperte.com“.
Josef Braml ist Autor des Blogs „usaexperte.com“. © Foto: DGAP/Dirk Enters
Berlin / Stefan Kegel 14.12.2017
Trump ist längst noch nicht abgeschrieben, meint Josef Braml von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die Wahl in Alabama will er nicht überbewerten.

Donald Trump ist längst nicht abgeschrieben, meint Josef Braml, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Die Wahl in Alabama will der Blogger nicht überbewerten.

Allgemein wird die Niederlage von Roy Moore in Alabama als Niederlage für Präsident Donald Trump und seine Partei bewertet. Schätzen Sie das auch so ein?

Josef Braml: Sehen Sie noch eine republikanische Partei? Die wurde doch bereits von Trump zerstört. Ich würde das Wahlergebnis nicht überbewerten. Ich glaube, da geht es wirklich nur um die Person des Roy Moore.

Meinen Sie, dass die MeToo-Debatte, in der sich belästigte Frauen offenbaren, entscheidend zur Niederlage im traditionell republikanischen Staat Alabama beigetragen hat?

Die Vorwürfe haben offenbar gereicht, um Moore selbst in Alabama nicht mehr wählen zu können. Man darf das, was durch die MeToo-Bewegung ans Tageslicht kommt, nicht unterschätzen. Dieses Erdbeben war ursächlich für dieses kleinere politische Beben in Alabama.

Ist Trump dadurch geschwächt?

Trump stand ja nicht zur Wahl. Und er hat ja zuerst Moores Gegenkandidaten unterstützt und sich erst nach dessen erfolgreicher Vorwahl  hinter ihn gestellt. Entscheidender bei der Nominierung war Stephen Bannon

Trumps ehemaliger Chefstratege der das republikanische Establishment auseinandernehmen wollte. Auch Trump selbst ist ja nicht ganz frei von Belästigungs-Vorwürfen. Eine richtige Unterstützung für Moore hätte anders ausgesehen.

Wird die Wahl von  Jones die Willensbildung im Senat beeinflussen?

Viele Deutsche irren, wenn sie annehmen, dass es in den USA Parteien nach unserem Verständnis gibt. Im Grunde sind US-Parteien nur Wahlvereine. Selbst diese Minimalfunktion haben sie an Interessengruppen und Vermögende verloren. Da es keine Parteidisziplin gibt, muss der Präsident sich für jedes Vorhaben die Stimmen zusammensuchen. Die wichtigen Entscheidungen, die jetzt anstehen – etwa die Steuerreform – wird er bis Jahresende durchbekommen, bevor der neue demokratische Senator einzieht. Danach könnte es durchaus interessante Abstimmungen geben, etwa wenn es darum geht, Richterstellen zu besetzen, zum Beispiel am Obersten Gericht.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel