Berlin Cybersicherheit: Abwehrfähigkeit stärken

Mehr als  30 Staaten  entwickeln  offensive  Cyberkapazitäten, sagt  Tim Maurer.  Foto: privat
Mehr als 30 Staaten entwickeln offensive Cyberkapazitäten, sagt Tim Maurer. Foto: privat © Foto: privat
Berlin / Igor Steinle 27.12.2017

Tim Maurer vom Institut „Carnegie Endowment for International Peace“ gilt als einer der weltweit führenden Experten für Cybersicherheit. Er sagt: Je mehr Staaten ihre Angriffsfähigkeiten erhöhen, desto öfter wird es Vorfälle wie den „Wanna­Cry“-Virus geben.

Herr Maurer, muss Deutschland zurückhacken dürfen?

Tim Maurer: Deutschland braucht zuerst einen Fokus auf Abwehrfähigkeit. Es muss sicherstellen, dass es gut gegen Attacken abgesichert ist.

Was kann auf dem Weg zur Cybermacht schiefgehen?

Schadsoftware oder Sicherheitslücken können in die Hände von Menschen geraten, die sich nicht darum kümmern, dass der Schaden limitiert bleibt auf Systeme, auf die Regierungen es abgesehen hatten. Das kann dann sehr viel größere Auswirkungen haben als geplant. Wanna­Cry …

… eine Schadsoftware, die der NSA gestohlen wurde …

 … können wir als Vorlage dafür nehmen, was passiert, wenn es bald noch mehr Staaten mit solchen Fähigkeiten gibt. Dann müssen wir so etwas öfter erleben.

Wie viele Staaten sind denn in der Lage, Cyberangriffe auszuführen?

Es gibt mehr als 30 Staaten, die aktiv offensive Cyberkapazitäten entwickeln.

Wer sind dabei die führenden Länder?

Die USA, Israel, Großbritannien, Russland, China, Iran und Nordkorea. Iran und Nordkorea haben aber gezeigt, wie schnell ein Staat in der Lage ist, entweder selbst oder über nichtstaatliche Akteure solche Mittel einzusetzen. Die iranische DDoS-Attacke gegen Großbanken 2012 oder dass nordkoreanische Hacker 2014 Sony in den USA gehackt haben, hat doch viele überrascht.

Es tobt ein Wettbewerb um die besten Köpfe. Wieso gibt es so wenig Personal?

Dieses Feld hat sich rasend schnell entwickelt. Erst jetzt fangen Universitäten an, in diesem Bereich auszubilden. Viele Hacker haben sich ihre Fähigkeiten selbst beigebracht.

Wie arbeiten die Staaten denn im Moment?

Die USA und Europa greifen verstärkt auf private Sicherheitsunternehmen zurück. Iran und Russland arbeiten lockerer mit der Hackercommunity zusammen. Auch weil die Regierungen ein Interesse daran haben, Aktivitäten bei einer Eskalation abstreiten zu können.

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