USA Ex-Stratege Bannon rechnet mit Donald Trump ab

Als sie noch zusammenarbeiteten: Donald Trump und Stephen Bannon (rechts).
Als sie noch zusammenarbeiteten: Donald Trump und Stephen Bannon (rechts). © Foto: dpa
Peter De Thier 05.01.2018

Donald Trump braucht ganze 1158 Zeichen, um seiner Wut freien Lauf zu lassen. In harschen Worten rechnet der Präsident mit seinem ehemaligen Chefstrategen Stephen Bannon ab. Er zweifelt an dessen geistiger Verfassung und beschreibt ihn als Scharlatan. „Bannon hat nichts mit mir oder meiner Präsidentschaft zu tun“, so Trump. „Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand.“ Bannon habe wenig Anteil an seinem Wahlsieg gehabt. Im Weißen Haus habe er sich wichtiger gemacht, als er es gewesen sei.

Ein Buch über die Abläufe im Weißen Haus hat US-Präsident Donald Trump in Rage versetzt und einen erbitterten Streit mit seinem ehemaligen Chefstrategen Stephen Bannon losgetreten. Beschrieben wird darin ein inkompetenter Regierungschef, den sein Wahlsieg wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf, der nie Präsident werden wollte und der sich im Amt mit unfähigen Dilettanten umgeben hat.

Schon lange, bevor er zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, hatte der Immobilienunternehmer und Fernsehstar unmissverständlich klargemacht, seine Familie und seine persönlichen Finanzen seien unantastbar. Keiner solle jemals seine Kinder kritisieren und schon gar nicht die Geschäftspraktiken des Trump-Firmenimperiums in Frage stellen – weder Journalisten noch Juristen wie derzeit Sonderstaatsanwalt Robert Mueller. Kein Wunder also, dass dem Präsidenten der Kragen platzte, als Auszüge aus dem Buch „Feuer und Wut“ von Michael Wolff an die Öffentlichkeit kamen.

 Unter Berufung auf 200 Gespräche, die er über 18 Monate hinweg im Weißen Haus mit diversen Regierungsvertretern geführt hat, allen voran dem von Trump gefeuerten Bannon, verrät Wolff Details. Diese geben den Trump-Clan nicht nur  der Lächerlichkeit preis, sondern gipfeln in Vorwürfen des Staatsverrats. Besonders pikant und vor allem aus Muellers Sicht von Interesse dürfte Bannons Behauptung sein, ein Treffen im New Yorker Trump-Tower, bei dem der älteste Sohn des Präsidenten, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und andere Berater sich mit einer russischen Anwältin trafen, die enge Beziehungen zum Kreml hat, erfüllten den Tatbestand des Landesverrats. Er sei fest davon überzeugt, Muellers Russland-Ermittlungen liefen letzten Endes auf Geldwäsche hinaus, sagte Bannon. Die Millionen-Kredite der Deutschen Bank für Kushner seien ebenfalls Teil der Ermittlungen. Dessen Finanzgeschäfte bezeichnete Bannon als „schmierig“. Auch wagte  er die Voraussage, der Sondermittler werde beim Kreuzverhör „Don Junior knacken wie ein Ei.“

Das Buch gewährt zudem Einblicke in ein heilloses Chaos rund um den Präsidenten. Demnach habe Don Junior gemeint, dass sein Vater, als die Nachricht von seinem Wahlsieg bestätigt wurde, „dreinschaute, als habe er gerade einen Geist gesehen“. Gattin Melania habe „geweint, aber es waren keine Tränen der Freude“. Nach dem Amtsantritt beschrieb Trumps Chefökonom Gary Cohn in einer Mail den Präsidenten als „Idioten, der sich mit Clowns umgeben hat“.

Bannon fiel dem Machtkampf im Weißen Haus zum Opfer, da war er gerade etwas mehr als 200 Tage im Amt. Seither konzentriert er sich darauf, populistische Kandidaten zu finden, die er in seinem selbst erklärten Krieg gegen das Establishment der Republikaner in die parteiinternen Vorwahlen schicken will. Der Präsident drohte Bannon mit einer Klage, laut Berichten will er die Veröffentlichung des Buches verbieten lassen. Dass es zu einem Prozess kommt gilt als unwahrscheinlich, weil Trump dann gezwungen wäre, selbst unter Eid auszusagen.

Untersuchungskommission aufgelöst

US-Präsident Donald Trump hat eine von ihm selbst gegründete Kommission wieder aufgelöst, die angeblichen Betrug bei der Präsidentenwahl 2016 nachweisen sollte: Mehrere Bundesstaaten hätten „trotz stichhaltiger Beweise“ für Wahlbetrug die Weitergabe der von der Kommission verlangten Informationen verweigert.  Bei der Präsidentenwahl im November 2016 hatte die Kandidatin der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, drei Millionen Stimmen mehr erhalten als Trump, doch gewann dieser aufgrund des Systems des Wahlmännerkollegiums. Danach erklärte Trump, drei bis fünf Millionen Menschen hätten auf illegale Weise ihre Stimmen abgegeben. afp