Videobeweis Ex-Fifa-Referee: Mit Video-Beweis sollte man jedes Tor überprüfen

Ex-Schiedsrichter Bernd Heynemann.
Ex-Schiedsrichter Bernd Heynemann. © Foto: dpa
Armin Grasmuck 08.09.2017
Die ersten Spieltage der Fußball-Bundesliga haben gezeigt, dass es mit dem Videobeweis noch hakt. Das sagt Bernd Heynemann aus Magdeburg, ehemaliger Fifa-Referee.

Die ersten Spieltage Fußball-Bundesliga haben gezeigt, dass es mit dem Videobeweis noch hakt. Armin Grasmuck befragte dazu Bernd Heynemann aus Magdeburg, Ex-Fifa-Referee und heute Schiedsrichter-Experte im Fernsehsender Sport1.

Schiedsrichter und die Video-Assistenten sind eigens geschult worden. Warum geht trotzdem so viel schief?

Bernd Heynemann: Das ist der Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Es gab die Probeläufe beim Confed-Cup und ausführliche Schulungen. Was aber nicht klar definiert wurde: In welchem Umfang tritt der Videobeweis in Kraft? Wann schaltet sich der Video-Schiedsrichter ein? Auf welche Szenen bezieht er sich?

Was heißt das konkret?

Nehmen wir das Beispiel zuletzt in Frankfurt: Da fragt der Schiedsrichter beim Video-Schiedsrichter nach, ob der Elfmeter an Boa­teng richtig entschieden wurde. Wurde er, das war ein glasklarer Elfmeter. Doch dann sagt der Assistent in Köln: April! April! In der Szene zuvor war es aber Abseits – also doch kein Elfmeter. Das Abseits hatte der Schiedsrichter nicht gesehen, der Linienrichter auch nicht, kein Zuschauer, es hat kein Spieler protestiert. Es darf nicht sein, dass die eigentliche Entscheidung des Schiedsrichters auf diese Weise vom Videobeweis beeinträchtigt wird.

Hat der Videobeweis ausgespielt?

Jetzt hatten wir zwei Wochen Pause. Ich gehe davon aus, dass die Verantwortlichen auf die Schiedsrichter und vor allem die Video-Schiedsrichter in Köln noch einmal eingewirkt haben. Die Schiedsrichter auf dem Platz sollen mehr ihre eigene Video-Zone nutzen, und strittige Situationen mit einem Blick auf den Monitor, der am Spielfeldrand steht, selbst bewerten. Ihre Entscheidungsgewalt muss gestärkt werden, dagegen müssen sich die Kollegen in Köln zurückhalten.

Wo kann er helfen?

Er sollte wirklich nur bei klaren und schwerwiegenden Entscheidungen zum Einsatz kommen: Gelbe Karte, Rote Karte. Elfmeter, Foul ja oder nein? Elfmeter, war das Foul im Strafraum oder nicht? Und selbstverständlich muss bei jedem Tor geprüft werden, ob es regulär erzielt wurde. Dagegen macht der Videobeweis bei irgendwelchen Millimeter-Entscheidungen oder bei Szenen, die 30 Sekunden vor der fragwürdigen Szene passiert sind, absolut keinen Sinn.