AfD Etappensieg der Rechtsnationalen

Neues  Spitzenduo: Jörg Meuthen (rechts) und der Co- Vorsitzende  Alexander  Gauland.
Neues Spitzenduo: Jörg Meuthen (rechts) und der Co- Vorsitzende Alexander Gauland. © Foto: afp
Hannover / Thomas Block 04.12.2017
Beim AfD-Bundesparteitag stritten der rechtsnationale „Flügel“ und die Moderaten um den Co-Vorsitz. Weil keiner gewann, sprang überraschend Alexander Gauland ein.

Die Frau, mit der niemand gerechnet hat, tritt am späten Nachmittag an das Mikrofon in der Eilenriedehalle und hält eine Bewerbungsrede um den Co-Parteivorsitz, die das Herz der Rechtsnationalen in der AfD höher schlagen lässt. Doris von Sayn-Wittgenstein, Landessprecherin der AfD Schleswig-Holstein, wünscht sich die bismarcksche Außenpolitik zurück, einen starken Nationalstaat und den Schutz der deutschen Identität. „Ich möchte nicht, dass wir in dieser sogenannten Gesellschaft ankommen. Das ist nicht unsere Gesellschaft.“ Doris von Sayn-Wittgenstein will nicht zu Merkel-Deutschland gehören. Sie ist dagegen. Gegen alles.

Auf ihrem achten Bundesparteitag hätte die AfD eigentlich eine Richtungsentscheidung treffen sollen. Dass Jörg Meuthen Parteichef bleiben würde, galt als gesetzt. Er erhielt ohne Gegenkandidaten 72 Prozent der Stimmen. Nach dem Austritt Frauke Petrys war aber der Stuhl neben Meuthen frei geworden und hinter den Kulissen begann das Geschacher, wer ihn künftig besetzen darf: Ein rechtsnationaler Vertreter des „Flügels“ oder ein Vertreter der Moderaten?

Für die Moderaten stieg der AfD-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Georg Pazderski, in den Ring. „Wir sind angetreten, um Deutschland nach vorne zu bringen“, sagt Pazderski. „Das geht nur, wenn wir bereit sind, in absehbarer Zeit politische Verantwortung zu übernehmen.“ Seine Ziele: Eine Zusammenarbeit mit CDU und FDP, eine Abgrenzung von „Rechtsaußen“, ein Parteiausschluss des rechtsnationalen Thüringers Björn Höcke. Die AfD sollte so schnell wie möglich an die Macht kommen.

Für Vertreter des rechtsnationalen Parteispektrums ist Pazderski ein rotes Tuch. Nach dessen Rede tritt ein Delegierter an das Mikrofon und fragt: „Welche unserer Inhalte wollen Sie denn als erste aufgeben, um sich den Altparteien anzubiedern?“ Wie groß der Anteil dieser „Flügel“-Sympathisanten in der AfD ist, galt lange als Unbekannte Jetzt steht fest: Es ist die Hälfte.

Im ersten Wahlgang erhält Sayn-Wittgenstein 49,4 Prozent der Stimmen, Pazderski 47,3; im zweiten er 49,4 und sie 47,8 Prozent. Ein Patt, durch die Enthaltungen erhält keiner eine Mehrheit. Alexander Gauland beantragt eine halbstündige Pause. Anderthalb Stunden später ist er der neue Co-Parteichef.

„Ich wollte eigentlich nicht kandidieren, aber es ist eine Situation eingetreten, die für die Partei gefährlich war“, sagt Gauland nach der Wahl. Ausgerechnet er soll nun die Lösung, die lager-vereinende Kraft der Partei sein.

Sayn-Wittgenstein hatte, irritiert vom eigenen Erfolg, schnell einen Rückzieher gemacht. Viele Delegierte versuchten, Alice Weidel zu einer Kandidatur zu überreden. Sie wollte nicht. Und so preschte der 76-jährige Gauland vor, und alle anderen zogen ihre Kandidatur zurück.

Zu den Delegierten  sagt Gauland: „Sie kennen mich.“  Er wolle nicht viel sagen, nur so viel: „Wir dürfen nicht zu früh ankommen.“ Freunde in der FPÖ hätten empfohlen, erst Verantwortung zu übernehmen, wenn die AfD auf Augenhöhe mit den anderen ist. Sonst werde man über den Tisch gezogen. Tosender Applaus.