Interview Erste Hilfe: Messer keinesfalls herausziehen

Dr. Stefan Schulz-Drost.
Dr. Stefan Schulz-Drost. © Foto: UKB
Berlin / Stefan Kegel 14.06.2018

Über die Gefahren von Messerangriffen spricht Dr. Stefan Schulz-Drost, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie im Unfallkrankenhaus Berlin.

Warum sind Stichverletzungen so gefährlich?

Stefan Schulz-Drost: Stichverletzungen können jenseits der sichtbaren Verletzungen der Haut tiefe Organstrukturen verletzen. Wird ein Gefäß getroffen, dann verblutet der Mensch. Trifft es die Hauptschlagader, geschieht das innerhalb weniger Minuten. Zum Glück ist sie relativ gut vom Brustkorb geschützt. Daher ist diese Komplikation sehr selten.

Welche Körperregionen sind am stärksten gefährdet?

Trifft es Arme oder Beine, kann ein Stich mit einem Messer zum Funktionsverlust führen, etwa, wenn Nerven oder Blutgefäße getroffen wurden. Je näher man zum Rumpf kommt, umso gefährlicher wird es, denn dort liegen die lebenswichtigen Organe, und die Gefäße werden immer größer. Eine Verletzung der Herzkranzgefäße kann durch die Blutung das Herz erdrücken, so dass es nicht mehr schlägt. Bei einer Verletzung der Lunge kann es dazu kommen, dass der getroffene Lungenflügel kollabiert. Mit jedem Atemzug gelangt so Luft in den Brustraum, die aber nicht entweichen kann, weil die Wunde wie ein Ventil wirkt.  Durch den entstehenden Druck wird der Blutkreislauf regelrecht abgequetscht. Aber auch Hals und Leiste sind gefährdete Körperregionen.

Wie kann man helfen?

Zunächst ist es wichtig, auf den Eigenschutz zu achten und schnellstens die Rettung zu alarmieren. Keinesfalls das Messer, das eventuell noch im Körper steckt, herauszuziehen.  Das kann zwar schwere innere Verletzungen verursacht haben. Solange es aber im Körper steckt, wirkt es meist wie eine Art Stöpsel.

Wie hoch ist das Todesrisiko?

Stich- und Schussverletzungen machen etwa fünf Prozent aller Verletzungen aus, die von Unfallchirurgen behandelt werden. Der Statistik zufolge sterben etwa sechs bis sieben Prozent der Schwerverletzten daran. Wurde allerdings das Herz getroffen, dann steigt die Todesrate sprunghaft auf mehr als zwei Drittel an.

Gibt es Altersgruppen, die besonders betroffen sind?

Nein, das geht vom jungen Erwachsenen hoch bis ins Alter. Die meisten Fälle sind Opfer häuslicher Gewalt und Menschen, die sich selbst töten wollten, aber auch völlig unbeteiligte Opfer jeglichen Alters, die auf der Straße niedergestochen wurden.

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