Bonn Ernüchternde Bilanz

Bonn / 10.04.2015
Bildung für alle - dieses Ziel hat sich die Weltgemeinschaft vor 15 Jahren gesetzt. Die Bilanz ist ernüchternd: In jedem zweiten Land bleiben Kinder ohne Grundschulbildung. Dennoch gibt es Fortschritte.

Um die Bildungschancen für Benachteiligte vor allem in armen Ländern ist es nach wie vor schlecht bestellt. Das für 2015 angestrebte Ziel einer Grundbildung für alle Menschen hat die internationale Staatengemeinschaft deutlich verfehlt. Weltweit habe nur jedes dritte Land die im Jahr 2000 beschlossenen Bildungsziele erreicht, heißt es in dem gestern veröffentlichten Weltbildungsbericht der UN-Kulturorganisation Unesco. Lediglich in jedem zweiten Land (52 Prozent) erhalten demnach alle Jungen und Mädchen eine Grundschulbildung. Auch die Analphabetenrate unter Erwachsenen ist trotz Fortschritten weiter hoch. Nötig sei vor allem mehr Geld, um die Bildungschancen benachteiligter Gruppen zu verbessern, hieß es.

Seit dem Start des weltweiten UN-Aktionsprogramms "Bildung für alle" vor 15 Jahren seien zwar große Fortschritte gemacht worden, bilanzierte Unesco-Generaldirektorin Irina Bokova. Millionen mehr Kinder besuchten eine Schule, als dies ohne diese Initiative der Fall gewesen wäre. "Doch sind wir weit davon entfernt, unsere Ziele erfüllt zu haben", räumte Bokova ein. "Die Weltgemeinschaft braucht spezifische, mit ausreichenden finanziellen Mitteln vorangebrachte Strategien, welche den Schwerpunkt auf die Ärmsten - insbesondere Mädchen - legen, die Bildungsqualität verbessern und die Analphabetenrate reduzieren."

Die Unesco forderte die Gemeinschaft auf, zusätzlich 22 Milliarden Dollar (20,5 Milliarden Euro) pro Jahr aufzubringen, um frühkindliche Bildung und Grundbildung weltweit sicherzustellen. Viele Staaten hätten ihre Bildungsausgaben seit 2000 erhöht. Ziel müsse sein, zwischen 15 und 20 Prozent der Ausgaben in Bildung zu stecken. Dabei müsse der Schwerpunkt auf benachteiligten Gruppen liegen.

Nach dem Bericht schließen noch immer 100 Millionen Kinder weltweit die Grundschule nicht ab. Die Wahrscheinlichkeit, ohne Schulbildung zu bleiben, ist unter den Ärmsten fünfmal höher als unter den Reichsten. Ein Drittel aller Kinder, die nicht zur Schule gehen, leben in konfliktreichen Regionen. Weltweit werden vier Millionen zusätzliche Lehrer benötigt, um alle Kinder zu unterrichten.

Nur einem Viertel der Länder gelang es, die Analphabetenrate unter Erwachsenen in den letzten 15 Jahren zu halbieren. Insgesamt sank die Rate aber um 23 Prozent - hauptsächlich weil besser gebildete junge Leute das Erwachsenenalter erreichten. Fast zwei Drittel der Analphabeten sind Frauen. So kann in Afrika südlich der Sahara jede zweite Frau nicht lesen und schreiben. Die Autoren fordern, dass die derzeit verhandelte UN-Agenda für nachhaltige Entwicklungsziele die Ergebnisse berücksichtigt.

Das Programm der Staatengemeinschaft

Sechs Punkte Im Aktionsprogramm "Bildung für alle" waren im Jahr 2000 sechs Ziele formuliert worden, die von der Staatengemeinschaft bis zum Jahr 2015 erfüllt werden sollten: Ausbau frühkindlicher Bildung, Grundschulbildung für alle Kinder, Absicherung der Lernbedürfnisse Jugendlicher, Halbierung der Analphabetenrate unter Erwachsenen, Gleichberechtigung der Geschlechter und Verbesserung der Bildungsqualität.

Tagung Das Bundesentwicklungsministerium und die Deutsche Unesco-Kommission diskutieren den aktuellen Weltbildungsbericht "Education for All 2000 - 2015" am 21. April mit deutschen Entwicklungsexperten. Der Report evaluiert seit 2002 jährlich, wie weit sich die Länder den Zielen angenähert haben.

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