Interview Ernährungswissenschaftler: „Hören Sie auf Ihren Körper!“

Ernährungsexperte Uwe Knop.
Ernährungsexperte Uwe Knop. © Foto: BoD Books on Demand
Berlin / Henning Kraudzun 09.10.2017
In der Ernährung jagt ein Trend den anderen. Der Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop warnt vor den Folgen. Die meisten Empfehlungen seien sinnlos.

Essen ist kompliziert geworden. Doch Diplom-Ernährungswissenschaftler Uwe Knop hält nichts vom trendbedingten Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel:

 Seit Jahren wird darüber gestritten, ob es überhaupt ungesundes Essen gibt. Funktioniert die Einteilung: Currywurst schlecht, Apfel gut?

Uwe Knop: Die Einteilung in gesunde und ungesunde Lebensmittel macht keinen Sinn. Das hat mittlerweile auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung bestätigt. Es existieren keine wissenschaftlichen Beweise für dieses Schubladendenken.

 Sollte man die Empfehlungen von Ernährungsinstituten ignorieren?

Die Ernährungswissenschaft basiert nur auf Vermutungen und Hypothesen. So wird von Experten empfohlen, fünf Mal täglich Obst und Gemüse zu essen. Doch diese Ratschläge sind sinnlos, da der Darm nur eine bestimmte Menge Ballaststoffe verträgt. Die Folgen sind Blähungen, Krämpfe, Schmerzen. Man muss klar sagen: Diese Kampagnen verunsichern die Verbraucher.

 Welche Regeln sind denn sinnvoll?

Meine Empfehlung: Hören Sie auf Ihren Körper! Der sendet ausreichend Signale, was ihm gut bekommt und was nicht. Sie sollten bei Hunger auch nur das essen, worauf Sie Lust haben. Und ganz wichtig – auf das wohlige Stöhnen aus der Tiefe des Bauches achten. Ernährung ist der Urtrieb des Menschen. Wenn die Nährstoffe zu Neige gehen, muss der Körper reagieren, der Magen knurrt. Das ist echter Hunger.

In der Ernährung folgt ein Trend auf den nächsten. Was halten Sie von Veganern oder Steinzeit-Essern?

Ich denke, vor allem in Großstädten suchen die Menschen eine Plattform, wo sie sich profilieren und einer kulinarischen Diaspora angehören können. Dort wird dann Essen in Gut und Böse eingeteilt. Vieles basiert auf Halbwissen. Diese Ernährungstrends sind alle frei erfunden, völlig absurd und Phänomene einer übersättigten Wohlstandsgesellschaft.

 Dient Ernährung als Ersatzreligion?

Manche werden tatsächlich zu Fanatikern, aber sie beten ihr Essen nicht unbedingt an. Es wird kritisch, wenn Ernährungsregeln krankhafte Züge annehmen, die Orthorexie ist ein gutes Beispiel dafür. Diese Menschen haben den Zwang, nur gesunde Lebensmittel zu essen.  Sie verlieren die Lust am Essen und können Mangelerscheinungen entwickeln.
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