Zum ersten Mal seit Amtsantritt hat Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) den Ernährungsreport vorgestellt. Dabei verriet sie, was bei den Deutschen auf den Teller kommt, ob das künftig auch Insekten sind – und wie sie ihre Ernährungspolitik gestalten will.

Auswärts zu essen, liegt im Trend. Noch immer essen die Deutschen die meisten Mahlzeiten zu Hause. Allerdings verschiebt sich der Trend zugunsten von Restaurants, Kantinen und Lieferdiensten. So geht jeder vierte Mann mindestens einmal die Woche auswärts essen, bei den Frauen sind es etwa 13 Prozent. Bereits im Herbst hatte Klöckner erklärt, dass ihr Ministerium deshalb Schulkantinen besser fördern wolle. Nun wiederholte sie, eine Mahlzeit werde im Schnitt nur vier Cent teurer, wenn sie nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hergestellt werde. Bereits jetzt fördert der Staat Schulkantinen mit jährlich 1,2 Milliarden Euro.

Die Deutschen lieben Fleisch. Nach ihren Lieblingsgerichten gefragt, nennen 33 Prozent Braten, Schnitzel oder Gulasch, gefolgt von Spaghetti, Lasagne und Spätzle (17 Prozent). Salate und Gemüsegerichte kommen abgeschlagen auf Rang drei (10 Prozent). 28 Prozent essen täglich Fleisch, obwohl drei Viertel der Befragten weniger Fleischkonsum für wichtig erachten, damit die globale Bevölkerung künftig ernährt werden kann. Für Klöckner kein Grund zum Eingreifen: „Wir dürfen den Bürgern nicht vorschreiben, was in ihrem Essen steckt“, sagt sie. Einer höheren Mehrwertsteuer auf Fleisch- und Wurstwaren erteilte sie bereits im Sommer 2018 eine Absage.

Die Deutschen wollen Bescheid wissen. Schon jetzt müssen Hersteller zahlreiche Angaben auf den Lebensmittelverpackungen nennen und die Verbraucher wissen das zu schätzen: Jeweils weit mehr als jeder zweite Befragte findet die Nennung von Inhaltsstoffen, Herkunft, Mindeshaltbarkeitsdatum, Allergen- und Warnhinweise sowie die Nährwertangaben wichtig oder sehr wichtig. Vier von fünf Verbrauchern wünschen sich Angaben über artgerechte Haltung, umweltverträgliche und faire Produktionsbedingungen und den Einsatz von Gentechnik. Julia Klöckner folgert daraus, dass die Verbraucher keine „schlichte Simplifizierungen“ wollen, und lehnt deshalb eine Lebensmittelampel auf Verpackungen, wie sie die Grünen seit mehr als zehn Jahren fordern, ab. Stattdessen sieht der Koalitionsvertrag vor, bis zum Sommer ein „Modell in Zusammenarbeit mit Lebensmittel- und Verbraucherverbänden unter Berücksichtigung der besonderen Interessen der kleinen und mittleren Unternehmen“ zu erarbeiten. Wenn damit auch das Vertrauen gestärkt wird, kann das nicht schaden: Immerhin 27 Prozent geben an, unseren Lebensmitteln eher nicht oder gar nicht zu vertrauen.

Ernährung gehört an die Schulen. 95 Prozent, im Osten sogar 98 Prozent, wollen, dass Kinder in der Schule die Grundlagen einer gesunden Ernährung erlernen. Während Amtsvorgänger Christian Schmidt (CSU) sich vor einem Jahr noch für ein eigenes Schulfach aussprach, hält Klöckner nicht viel von dieser Idee: „Der Fächerkanon ist Ländersache. Das wird der Bund nicht bestimmen.“ Dass die Schulen vermitteln, wie gesunde Ernährung funktioniert, unterstützt sie allerdings.

Es wird zu viel weggeworfen. 55 Kilo Lebensmittel wirft jeder in Deutschland jährlich weg. Gut die Hälfte davon wäre prinzipiell genießbar gewesen. Dass die Lebensmittel trotzdem im Müll landeten, liege vor allem an „Haltbarkeitsproblemen“ (58 Prozent), zu großen Portionen (21 Prozent) und falscher Planung (12 Prozent). Klöckner kündigte an, im Februar oder März eine weitere Initiative zur Minimierung der Lebensmittelverschwendung vorzustellen. Bereits jetzt vergibt ihr Ministerium einen Bundespreis für Engagement gegen Lebensmittelverschwendung. Zudem informiert es auf einer Internetseite und in einer App über entsprechende Maßnahmen.

Künftig kommen Insekten auf den Tisch. Ein Drittel der Befragten wäre damit einverstanden. Vor allem Männer können sich das vorstellen: 40 Prozent von ihnen würden Lebensmittel aus Insekten kaufen. Damit erfahren Grillen und Käfer mehr Akzeptanz als künstlich hergestelltes Fleisch. 81 Prozent können sich nicht vorstellen, In-Vitro-Fleisch zu kaufen. Fest steht allerdings, dass sich die Ernährung künftig verändern wird. Schon jetzt unterstützt die Bundesregierung die Forschung an kalorienreduziertem Zucker aus Zuckerrüben.

Schmecken muss es. 99 Prozent der Befragten sagen, dass es beim Essen vor allem auf den Geschmack ankommt. Gesundheit (91 Prozent) und einfache Zubereitung (48 Prozent) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Das klingt banal, ist allerdings für Klöckner Grundlage für alle Maßnahmen in der Ernährungspolitik: „Alles wird nichts bringen, wenn es den Geschmack der Bürger nicht trifft.“ Deshalb setzt ihr Haus zur Reduktion von Fett, Salz und Zucker auch auf Freiwilligkeit. Eine verpflichtende Zuckersteuer, wie es sie in Großbritannien gibt, lehnt sie ab. Klöckner sieht sich nicht „in Frontstellung zur Wirtschaft“, wie sie sagt.

55


Kilo Lebensmittel wirft jeder Deutsche pro Jahr in den Müll – und das, obwohl die Hälfte davon noch genießbar war. Das soll sich ändern, findet die Ministerin.