Missbrauch Ermittlungen gegen hunderte Priester

Opfer und Angehörige während der Pressekonferenz des Justizministers von Pennsylvania.
Opfer und Angehörige während der Pressekonferenz des Justizministers von Pennsylvania. © Foto: Matt Rourke/AP/dpa
Washington / Peter De Thier 16.08.2018

Ein neuer Missbrauchsskandal in den USA erschüttert die katholische Kirche: Über einen Zeitraum von 70 Jahren hinweg sollen sich mehr als 300 Priester an mindestens 1000 Kindern vergangen und sie teilweise vergewaltigt haben. Die Opfer verteilten sich auf sämtliche acht Diözesen des US-Bundesstaates Pennsylvania. Da die meisten der Delikte verjährt sind, ist allerdings nur in den wenigsten Fällen mit strafrechtlichen Folgen zu rechnen.

Der umfassende Bericht, den Pennsylvanias Justizminister Josh Shapiro nun veröffentlicht hat, beruht auf Ermittlungen, die sich über eineinhalb Jahre erstreckten. Vor Shapiros Pressekonferenz hatte Donald Wuerl, der Erzbischof von Washington, den Klerus davor gewarnt, dass die detailliert beschriebenen Erkenntnisse „erschreckend sein werden“. Demnach sei ein Junge zwei Jahre lang so brutal vergewaltigt worden, dass er Wirbelsäulenverletzungen erlitt.

Alle Diözesen betroffen

Ein anderer Fall berichtet von einem Kleriker, der sich wiederholt an einem Siebenjährigen vergangen hatte. Anschließend sagte ihm derselbe Priester, dass der Junge bei ihm seine Sünden beichten müsse. Ein Junge aus Pittsburgh wurde gezwungen, auf einem Kreuz nackt als Christus zu posieren, während ihn Geistliche mit einer Polaroid-Kamera fotografierten.

Skandale hat es in den USA zahlreiche gegeben, die kürzlich in dem Rücktritt von Washingtons Erzbischof Theodore McCarrick gipfelten. Er wurde wegen angeblicher Missbräuche zudem unter Hausarrest gestellt. Bei dem knapp 900 Seiten langen Bericht aus Pennsylvania, der von 468 Seiten an Dokumenten und handgeschriebenen Notizen begleitet wird, handelt es sich aber  um die umfangreichsten Ermittlungen in der Geschichte. Dabei machte Shapiro klar, dass viele Opfer von den Ermittlungen wohl gar nicht erfasst wurden.

Die meisten Taten sind verjährt

„Die Liste ist lang, aber wir haben sie nicht alle“ sagte der Justizminister, der von einer „jahrzehntelangen Vertuschungsaktion“ seitens der Kirchenoberen sprach. Über einen langen Zeitraum hätten Priester „kleine Jungen und Mädchen vergewaltigt, und die Männer Gottes, die für sie verantwortlich waren, blieben nicht nur untätig, sie haben alles kaschiert.“ Nur in den wenigsten Fällen ist zu erwarten, dass die Priester zur Verantwortung gezogen werden. In Pennsylvania müssen Opfer von Sexualdelikten vor Vollendung ihres 30. Lebensjahres Zivilklagen einreichen und dürfen nicht älter als 50 sein, um Strafantrag zu stellen. Das älteste Opfer, mit dem die Ermittler sprachen, ist 83.

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