Hintergrund Erdogan lässt PKK-Stellungen angreifen

PKK-Mitglieder im türkisch-irakischen Grenzgebiet.
PKK-Mitglieder im türkisch-irakischen Grenzgebiet. © Foto: dpa/epa/Firat News Agency/Handout
Ankara / Gerd Höhler 18.06.2018

Seit fast 35 Jahren liefern sich die kurdische Arbeiterpartei PKK und die türkischen Streitkräfte einen blutigen Krieg. Er forderte bereits geschätzt 45 000 Menschenleben. Einen eindeutigen Sieger gibt es bisher nicht. Jetzt verspricht Präsident Erdogan, was keine Regierung vor ihm schaffte: Er will die PKK verfolgen, „bis nicht ein Terrorist übrig ist.“ So bombardierten die türkischen Luftstreitkräfte in der vergangenen Woche Stellungen der PKK im Nordirak. Dabei wurden nach offiziellen Angaben Munitionslager und Unterkünfte zerstört. Am Wochenende zuvor hatten 20 Kampfflugzeuge Angriffe auf mutmaßliche Stützpunkte der PKK geflogen. Dabei wurden laut Erdogan  „14 wichtige Ziele zerstört“. „Aber das ist nicht genug“, so der Präsident. „Unser Ziel ist es, den größten der Terroristensümpfe trocken zu legen.“

Er meinte das PKK-Hauptquartier in den Kandil-Bergen des Nordirak. Seit Jahren bombardieren die türkischen Luftstreitkräfte immer wieder Ziele in der Region. Jetzt will die Regierung mit Bodentruppen vordringen. Türkische Soldaten stünden bereits 30 Kilometer tief im Nordirak, berichtete Ministerpräsident Binali Yildirim – „ein wichtiger Schritt zur Ausrottung der PKK“.

Die Türkei müsste sich beim Bodenkampf gegen die Rebellen in der unwegsamen Bergregion mit ihren Höhlen und Schluchten wohl auf einen langen und verlustreichen Guerillakrieg einstellen, der nicht leicht zu gewinnen ist. Vorranging will Erdogan mit dem Feldzug aber vor allem Stimmen aus dem nationalistischen Lager bei der bevorstehenden Präsidenten- und Parlamentswahl gewinnen.

„Wir werden Kandil und Sindschar angreifen sowie, ich sage das zum ersten Mal, Machmur“, kündigte Erdogan an. Die nordirakische Stadt Sindschar und ihre Umgebung waren lange von der IS-Terrormiliz besetzt. Sie wurden 2015 von kurdischen Kämpfern vertrieben, die das Gebiet seither kontrollieren. In Machmur befindet sich ein Lager des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, in dem mehr als 12 000 türkische Kurden leben. Sie waren Anfang der 90er Jahre vor den Kämpfen zwischen der PKK und der türkischen Armee aus Südostanatolien nach Nordirak geflohen. Die türkische Regierung behauptet, dass die PKK in dem Lager Nachwuchs rekrutiert.

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