Jetzt ist er also da, der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan. Fahnen und Straßensperrungen allerorten in Berlin, und ja, der rote Teppich wurde ihm auch ausgerollt. Die Erfüllung dieser protokollarischen Pflicht sorgte am Flughafen der Hauptstadt allerdings zunächst einmal für Verzögerungen.

Nicht nur den Bodenbelags-Beauftragten in Tegel fällt es offenbar schwer, Erdogan mit den ihm formal zustehenden Respektsbekundungen zu begrüßen. Der türkische Präsident führt Krieg gegen die Kurden, räumt Kritiker aus dem Weg und greift unter Druck gerne zu Nazi-Vergleichen. Jetzt bekommt er in Deutschland militärische Ehren und ein Staatsbankett. Während Erdogan daheim Andersdenkende rücksichtslos verfolgt, wird er selbst im Luxushotel Adlon durch Scharfschützen bewacht. Diese Kontraste sind nicht so leicht zu ertragen.

Die Bundesregierung geht mit dem Pomp des Staatsbesuchs in Vorleistung. Erdogan soll die Behandlung erfahren, die ihm als Oberhaupt eines Staates zusteht, dem Deutschland, Europa und die  Nato in vielfältiger Weise verbunden sind. Verknüpft damit sind aber auch entsprechende Erwartungen: Erdogan soll nun auch agieren wie ein Staatsoberhaupt, das Verantwortung über die Türkei hinaus trägt. Die Gelegenheit für eine zumindest vorsichtige Kurskorrektur ist günstig: Die Schwäche der türkischen Wirtschaft dürfte Erdogan kompromissbereiter stimmen.

Das üppige Protokoll kann zudem als stabiler Rahmen dienen für eine wirklich offene Aussprache über Menschenrechte, Demokratie und Minderheitenschutz zum Beispiel. Mangelnden Respekt nämlich kann Erdogan den Deutschen jetzt nun wirklich nicht mehr vorwerfen.