Meinung Kommentar zur IW-Studie zum Fachkräftemangel: Enormer Verlust

Helmut Schneider
Helmut Schneider © Foto: Marc Hörger
Ulm / Helmut Schneider 17.04.2018
Migration sollte vorwiegend unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet werden, meint unser Autor.

Das Wort Fachkräftemangel klingt statistisch-technisch – und ist doch emotional stark aufgeladen. Experten wie der Bevölkerungsexperte Reiner Klingholz haben schon vor zehn Jahren darauf hingewiesen, dass Deutschland auf Zuwanderung angewiesen ist, die Wirtschaft bekräftigt dies ebenso lange. Doch einge­klemmt zwischen Multikulti-­Verklärung auf der einen und Überfremdungsangst auf der anderen Seite ist bislang ein praktikables Zuwanderungsgesetz ausgeblieben.

Der Wohlstandsverlust, den die IW-Forscher jetzt ausgerechnet haben, ist enorm. Unabhängig davon, ob die Zahl nun exakt so eintreten wird – an der Tendenz wird sich wenig ändern. Was heute im Boom gilt, wird auch morgen bei schwächerer Konjunktur schon aus demographischen Gründen gelten: Firmen entgeht Geschäft, weil das Personal fehlt – Ingenieure ebenso wie Handwerker, Altenpfleger genauso wie Erzieherinnen.

Die frühere Furcht vor Billigarbeitskräften aus Osteuropa hat sich längst verflüchtigt. Migration sollte mehr unter ökonomischen Aspekten betrachtet werden. Wenn die Politik dies nicht tut, büßt dafür die ganze Volkswirtschaft.