Der Bundestag soll nach Plänen der Bundesregierung heute beschließen, dass die Bürger höhere Lasten als bisher bekannt für Anschlussprobleme von OffshoreWindparks tragen. Die Entschädigungszahlungen der Netzbetreiber sollen auf 110 Millionen Euro jährlich gedeckelt werden - der Rest wird auf die Strompreise abgewälzt. Das geht aus einem überarbeiteten Gesetzentwurf hervor.

Für die Bürger werden durch die Offshore-Haftungsumlage allein für 2013 Belastungen von rund einer Milliarde Euro erwartet. Schon ohne diese Kosten werden die Strompreise 2013 im Schnitt um zwölf Prozent steigen. Weitere, wenn auch weit geringere Kosten entstehen durch eine Verdreifachung der Zwangsabschaltung von Windparks an Land. Die Entschädigungen dafür dürften sich 2011 auf 18 bis 35 Millionen Euro belaufen.

Das Unternehmen Ecofys hat für den Bundesverband Windenergie ermittelt, dass der Rekordwert von bis zu 407 Gigawattstunden (GWh) Windstrom verloren ging, 2010 waren es 150 GWh. Da die Betreiber für solche Drosselungen entschädigt werden müssen und dies auf die Strompreise abgewälzt wird, entstehen steigende Millionenbelastungen durch nicht eingespeisten Strom. Mit diesem hätten etwa 116 000 Haushalte ein Jahr versorgt werden können. Ein Sprecher des Windenergieverbands betonte: "Das zeigt, wie dringend ein zügiger Netzausbau ist."

Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte am Montag die Pläne für den Bau von 2800 Kilometer neuen Stromautobahnen vorgestellt. Hier sind Ausgaben von 27,5 bis 42,5 Milliarden Euro notwendig. Um produzierten Wind- und Solarstrom zu verteilen, könnten bis 2030 zwischen 159 200 und 214 000 Kilometer an neuen Nieder-, Mittel- und Hochspannungsnetzen nötig sein.

Experten bezweifeln, dass die neue Offshore-Haftungsregelung mit einer Obergrenze der Bürger-Umlage von 0,25 Cent je Kilowattstunde - knapp zehn Euro pro Haushalt und Jahr - noch ausreichen. Der Grünen-Energieexperte Oliver Krischer kritisierte: "Beim Ausbau der Offshore-Windenergie geht es drunter und drüber: Dort wo Windparks im Bau sind, fehlt zum Teil der Netzanschluss und dort wo Netzanschlüsse vorhanden sind, kommt der Bau der Windparks nicht voran."