Meinung Unterschiede beim Einkommen: Viel brutto hilft wenig

Dieter Keller
Dieter Keller © Foto: Südwest Presse
Berlin / Dieter Keller 03.08.2018
Im Osten verdienen die Arbeitnehmer brutto immer noch weniger. Entscheidend ist aber, was sie damit kaufen können.

Statistiken sind etwas Schönes: Man kann fast alles mit ihnen beweisen. Fast drei Jahrzehnte nach der Einheit verdienen die Arbeitnehmer im Osten immer noch fast ein Viertel weniger als ihre Kollegen im Westen. Das klingt erst einmal dramatisch und nach Skandal.

Nur sagt der Bruttoverdienst nicht viel aus. Entscheidend ist, was netto übrig bleibt. Wer mehr bekommt, dem werden wegen der Progression deutlich mehr Steuern abgezogen. Entscheidend aber ist, wieviel man von dem Geld kaufen kann, und darüber gibt es erstaunlich wenige Statistiken. So mancher zieht angesichts der hohen Gehälter begeistert nach München und ist schnell frustriert, weil viel davon von horrenden Mieten geschluckt wird. Auch in anderen Ballungsräumen wie Stuttgart oder Köln sieht es nicht viel besser aus. Zudem ist der Biergartenbesuch auf dem Land ebenso günstiger wie der Einkauf vieler Lebensmittel.

Das Problem sind Regionen mit zu wenigen Arbeitsplätzen in zukunftsträchtigen Branchen. Die gibt es im Westen genauso wie im Osten. Dagegen hilft kein höherer Mindestlohn, sondern erfolgreiche Firmenansiedlungen und einfallsreiche Unternehmer.

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