Glosse Eine Welt im Kopfstand

Englands Torwart Jordan Pickford hält im Achtelfinale den Elfmeter von Bacca aus Kolumbien.
Englands Torwart Jordan Pickford hält im Achtelfinale den Elfmeter von Bacca aus Kolumbien. © Foto: He Canling/Xinhua/dpa
Berlin / Guido Bohsem 05.07.2018

Wie leicht können Gewissheiten zerplatzen. „Alles zerfällt, die Mitte hält nicht mehr“, dichtete 1919 schon William Butler Yeats. Der war bekanntlich Ire und wusste damals noch nichts von den Ereignissen, die sich 99 Jahre später zutragen sollten. Das Ausmaß an Dingen, die derzeit auf dem Kopf stehen, dürfte allenfalls Australiern bekannt vorkommen, die in diesen Zuständen ja aufwachsen.

Sogar das von Gary Lineker entdeckte Naturgesetz, wonach im Fußball am Ende immer die Deutschen gewinnen, wurde bekanntlich außer Kraft gesetzt. Weshalb dezente Briten – liebe Kollegen von der Inselpresse! – den Umgang mit deutschen Freunden nur nach dem Motto pflegen: „Don’t mention the World Cup“. Dort hat England jetzt übrigens das Achtelfinale einer Weltmeisterschaft gewonnen. Im Elfmeterschießen! Im Fußball!!!! Verrückter geht es nicht.

Oder doch? In Deutschland ist seit Monaten Sommer, und die Klagen halten sich in Grenzen. Regierungen in Rom sind stabiler als Regierungen in Berlin. Boris Becker war Diplomat eines afrikanischen Staats, der davon gar nichts wusste. Die Griechen kommen bald ohne Finanzhilfen aus. Minister treten von Rücktritten zurück und zwar ohne wirkungsgleichen Rücktritt eines anderen Ministers. Die Bahn fährt pünktlich – ok, das ist übertrieben. Oder wie Horst Seehofer sagen würde: „Des ist scho‘ wieder Geschichte.“

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