Gesundheit Eine Software prüft den Notfall

Berlin / Hajo Zenker 26.06.2018

Sind meine Beschwerden so gefährlich, dass sie sofort behandelt werden müssen? Oder reicht der Weg zum Hausarzt oder gar zur Apotheke? Immer mehr Deutsche glauben, diese Fragen nur in der Notaufnahme eines Krankenhauses klären zu können. Was zu übervollen Wartezimmern führt. Dabei kann häufig ein Anruf beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Nummer 116117 helfen.

Damit die dort zu erhaltenden Auskünfte noch zielgenauer werden, wird ab 2019 „ein expertengeführtes Navigationssystem“, wie es Dominik Graf von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, nennt, eingeführt. In zehn Bundesländern, darunter Baden-Württemberg, kommt eine SmED getaufte Software zum Einsatz. Diese „ermöglicht eine sichere Empfehlung, wer tatsächlich die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen muss“, sagt Stephan Hofmeister, Vize-Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), also der Vertretung der in Praxen arbeitenden Ärzte. Die Übrigen sollten möglichst direkt an die richtige Stelle vermittelt werden.

Auch die Klinikärzte stehen hinter dem Projekt. Das Ziel sei, „dass im Bereich der Ersteinschätzung überall die gleiche Sprache gesprochen wird“, so Rudolf Henke, Vorsitzender des Marburger Bundes. Langfristig solle die Software sowohl unter der 116117 als auch unter der 112 und in der Notaufnahme eingesetzt werden. Grundlage ist ein Schweizer Programm. „Wir haben in der Schweiz 20 Jahre Erfahrung in der Telemedizin“, sagt Andreas Meer, Geschäftsführer der in4medicine AG. So sei die Qualität durch 250 Studien belegt.

Ob das auch in Deutschland funktioniert, soll drei Jahre lange getestet werden. Parallel dazu will die KBV eine große Kampagne starten, um die 116117 bekannter zu machen.

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