Kommentar Hajo Zenker zu Pflegekräften aus Osteuropa Eine Grauzone

Hajo Zenker Märkische Oderzeitung
Hajo Zenker Märkische Oderzeitung © Foto: MOZ Gerd Markert
Berlin / Hajo Zenker 08.08.2018

Gerade wird viel über die Gewinnung zusätzlicher Pflegekräfte für Krankenhäuser und Altenheime geredet. Allerdings: Sieben von zehn Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause betreut. Zumeist von den eigenen Angehörigen, zu einem bedeutenden Teil aber auch durch osteuropäische Pflegehelfer. Denn die stehen rund um die Uhr zur Verfügung, was beim Engagieren eines deutschen Pflegedienstes für die allermeisten betroffenen Haushalte unbezahlbar wäre.

Das ist seit Jahren ein Fakt. Um den hat die Politik aber lieber einen Bogen gemacht. Denn von der reinen Schwarzarbeit abgesehen, die allen Beteiligten schwer auf die Füße fallen kann, hat sich auch ein offizieller Bereich der Vermittlung von Pflegeleistungen entwickelt. Der immense Bedarf hierzulande und die EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit haben dabei zu einem Wildwuchs geführt, der für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen genauso wie für die Arbeitskräfte aus Polen oder auch Bulgarien und Rumänien unangenehme Überraschungen mit sich bringen kann.

 Die deutsch-polnische Untersuchung dazu hat angesichts der Verweigerungshaltung vieler Anbieter kaum belastbare Zahlen geliefert. Aber doch ans Licht gebracht: Die rechtliche Grauzone ist oft dunkelgrau. Und deshalb ist die Forderung, klare rechtliche Rahmenbedingungen zu setzen und für bessere Finanzierung solcher Leistungen zu sorgen, nur zu unterstützen. Gesundheitsminister Jens Spahn hat dazu jetzt Gelegenheit. Will er doch sowieso per Gesetz die Pflege für reine Betreuungsdienste, die etwa das Einkaufen oder Putzen übernehmen, öffnen. Das würde Betroffene rechtlich und finanziell besser stellen. Und in einem Teil der Pflege für Verbesserungen sorgen, über den nur wenig gesprochen wird.

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