Kommentar Dorothee Torebko zum Trisomie-Test als Kassenleistung Ein Test für die Gesellschaft

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Dorothee Torebko, Autorenfoto © Foto: swp
Berlin / Dorothee Torebko 13.10.2018

Hauptsache gesund“, ist die Antwort vieler werdender Eltern auf die Frage, ob sie sich ein Mädchen oder einen Jungen wünschen. Damit meinen sie auch: Hauptsache, das Kind kommt nicht mit einem Gendefekt wie Trisomie 21 zur Welt. Würde der Bluttest zur frühen Diagnose der Mutation eine Kassenleistung, könnte das finanzschwachen Familien helfen und das Selbstbestimmungsrecht der Frau stärken – einerseits. Andererseits birgt der Vorschlag jedoch enorme Gefahren.

Der Test als Standardleistung erhöht den Druck, die Untersuchung erstens zu machen und zweitens Embryonen mit genetischen Auffälligkeiten abzutreiben. In Dänemark wird seit 2005 allen Schwangeren jener Bluttest angeboten. Seitdem hat sich die Zahl der Neugeborenen mit Downsyndrom halbiert.

Doch diese Menschen gehören ebenso zur Gesellschaft wie alle anderen. Es stellt sich die Frage: Wie wollen wir leben? In einer Gemeinschaft, in der jede Andersartigkeit eliminiert wird? Dann ist der Bluttest als Regelleistung konsequent. Oder einer Gesellschaft, die Vielfalt feiert? Dann dürfen Behinderte, kranke und alte Menschen aber nicht als Last angesehen werden.

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