Meinung Kommentar zum Diesel-Skandal: Ein Tauschhandel

Dorothee Torebko.
Dorothee Torebko. © Foto: Autorenfoto privat
Berlin / Dorothee Torebko 01.10.2018
Die Autokonzerne kommen dank Bundesregierung glänzend aus der Diesel-Affäre. Ihre Umtauschprämie klingt generös. Sie ist es aber nicht. Ein Kommentar von Dorothee Torebko.

Es klingt wie ein Riesen-Zugeständnis: Bis zu 10.000 Euro sollen Dieselbesitzer für ihren Stinker von VW und Co. bekommen, wenn sie sich einen neuen Wagen zulegen. So viel haben die Unternehmen bisher noch nicht ausgeschüttet. Bei 1,2 Millionen Haltern, die vom Abgasskandal betroffen sind, wären das Milliardenbeträge, die die Unternehmen finanzieren müssten. Hört sich nach einem Sieg für die Dieselfahrer an, ist es aber nicht.

Die Autokonzerne sind keine Wohltäter, im Gegenteil: Sie kurbeln mittels Umtauschprogramm ihre Konjunktur an. Denn natürlich müssen die Dieselhalter ihr Auto gegen ein neues derselben Marke tauschen. VW, Daimler und BMW waschen dank ihres Kniffs nicht nur ihr Image rein, sie werden auch ihre neuen Diesel, Elektrowagen und Benziner los und machen ein Milliardengeschäft.

Auch die Umwelt profitiert nur sehr bedingt. Denn was passiert mit den umgetauschten Wagen? Sie werden nicht etwa aus dem Verkehr gezogen, sondern landen auf dem Markt und damit wieder auf der Straße. Umstritten ist zudem, wie sauber eigentlich Diesel der Schadstoffklasse Euro 6  sind. Viele gelten Umweltverbänden zufolge nach wie vor als Dreckschleudern – kaum besser als Fahrzeuge der Euro 4 und Euro 5 Norm, die umgetauscht werden sollen. Zusammen mit den Benzinern, die mehr Sprit verbrauchen und mehr CO2 ausstoßen, schaden sie dem Klima und verpesten weiter die Luft.

So kann es gut sein, dass Autobesitzer mit neu gekauften Wagen heute zwar Deutschlands Straßen befahren dürfen, in wenigen Monaten oder Jahren aber wieder nicht. Und wer hilft den betrogenen Besitzern dann? Die Konzerne ganz sicher nicht.

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