FBI Ein Kandidat mit Nähe zum FBI

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Washington / Peter de Thier 13.06.2017

Mit einem zeitlich gezielt platzierten Tweet hat US-Präsident Donald Trump letzte Woche mitgeteilt, wer der neue Direktor des Bundeskriminalamts FBI werden soll. Zum Nachfolger des gefeuerten FBI-Chefs James Comey will er den Regierungsmitarbeiter und Rechtsanwalt Christopher A. Wray ernennen.

Der Jurist diente bereits unter dem früheren Präsidenten George W. Bush als Chef der strafrechtlichen Abteilung im Justizministerium, die er von 2003 bis 2005 leitete. Dort steuerte Wray unter anderem die Ermittlungen gegen den früheren Energiehandelskonzern Enron, der im Mittelpunkt einer der größten Unternehmensskandale in der US-Geschichte stand und als Folge massiver Bilanzfälschungen unterging. Auch mit der Rolle des Justizressorts im Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 befasste sich Wray. Bestens vertraut ist er auch mit seinem potentiellen Vorgänger Comey sowie dem früheren FBI-Direktor und derzeitigen Sonderermittler Robert Mueller. Alle drei hatten 2004 mit ihrem Rücktritt gedroht, weil die Bush-Regierung darauf bestand, ohne Gerichtsbeschluss ein Abhörprogramm zur Überwachung unschuldiger Zivilisten fortzusetzen. 

Nach seiner Karriere im öffentlichen Dienst ist der Advokat bei einer prominente Washingtoner Anwaltskanzlei für „besondere Fälle“ sowie staatliche Ermittlungen zuständig. Unter anderem vertrat Wray den Trump-Anhänger und Gouverneur von New Jersey, Chris Christie, im sogenannten „Brückengate-Skandal“. Christie wurde vorgeworfen, in einem politischen Racheakt eine stark befahrene Brücke von New Jersey nach New York sperren zu lassen, weil der Bürgermeister eines Nachbarorts dem Gouverneur politische Unterstützung verweigert hatte.

Obwohl Trump Wrays „tadellose Qualifikationen“ lobte, wird die geplante Nominierung von Demokraten misstrauisch beäugt. Sie weisen darauf hin, dass die Ankündigung unmittelbar vor Comeys Kongressauftritt erfolgte. Wrays Bestätigung durch das Parlament dürfte sich angesichts des derzeitigen politischen Umfelds deutlich schwieriger gestalten als bei jedem der vergangenen Kandidaten für die FBI-Spitze.

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