Leitartikel Zukunft von Kaufhäusern: Sie dürfen nicht untergehen

Große Kaufhäuser sind überlebensnotwendig für mittelgroße Städte, meint unser Redakteur Dieter Keller.
Große Kaufhäuser sind überlebensnotwendig für mittelgroße Städte, meint unser Redakteur Dieter Keller. © Foto: swp
Berlin / Dieter Keller 27.07.2018
Sollten Karstadt und Kaufhaus untergehen, hätte dies Folgen auch für Innenstädte. Es besteht die Gefahr der Verödung.

Was waren die Warenhäuser einmal für glänzende Konsumtempel, die mit ihrem großen Angebot die Verbraucher in die Städte lockten. Der Glanz ist schon lange weg. Derzeit läuft die letzte Runde des Ausverkaufs – Karstadt und Kaufhof verhandeln über den Zusammenschluss. Sollen sie doch untergehen, wird mancher denken. Das Konzept des „tausendfach alles unter einem Dach“, wie der eine Konzern lange für sich warb, ist überholt. Schon durch die vielen Boutiquen, aber spätestens durch das Internet.

Und doch sollten wir ihnen die Daumen drücken, dass sie Erfolg haben. Denn abgesehen davon, dass es schlicht bequem ist, vom Knopf bis zur Waschmaschine alles an einem Ort zu bekommen – sie sind überlebensnotwendig für die Kerne gerade der mittelgroßen Städte. Ohne solche Magneten ist dort bald tote Hose.

Städte ohne große Warenhäuser veröden

Was passiert, wenn das zentrale Warenhaus dicht macht und die Immobilie nicht anderweitig genutzt wird, lässt sich an Orten verfolgen, die mal ein kleineres Karstadt-Haus hatten, das von dem Essener Konzern verkauft wurde und unter dem Namen Hertie bald pleite machte, weil die Immobilienbesitzer viel zu hohe Mieten verlangten. Wenn so ein Haus leer steht, verödet schnell die Umgebung, weil die Laufkundschaft fehlt. Irgendwann ist die ganze Innenstadt tot. Aus der Abwärtsspirale ist kaum herauszukommen. Zudem verlieren gerade Senioren, die weniger mobil sind, ihre Einkaufsmöglichkeiten.

Ein Grund für die Misere ist, dass manche Stadtväter meinten, unbedingt möglichst große Einkaufszentren auf die grüne Wiese stellen zu müssen. Oder ihnen fehlten die Möglichkeiten, diese außerhalb der Innenstädte klein zu halten. Zwar kann es nicht Aufgabe der Stadtoberen sein, neue Geschäftsideen zu verhindern. Aber wenn das Ergebnis Bauruinen sind, egal ob am Stadtrand oder in Innenstädten, macht das keinen Sinn.

Es gilt, Innenstädte zu pflegen

Auch die großen Elektro- und Verbrauchermärkte haben gemerkt, dass die grüne Wiese nicht mehr unbedingt der beste Standort ist. Manchen zieht es in die Stadt. Aber wo der Markt erst mal steht und einen langfristigen Mietvertrag hat, lässt sich nicht mehr viel machen. Deshalb gilt es, die Innenstädte zu hegen und zu pflegen, die noch ein Warenhaus haben. Auch übrigens, wenn es sich nicht um Karstadt oder Kaufhof handelt. Es gibt kleinere Ketten wie Breu­ninger, die sich erfolgreich um ein moderneres Konzept bemühen.

Gefragt sind viele. Die Warenhäuser selbst brauchen Angebote, die mehr auf die Wünsche der Verbraucher vor Ort eingehen. Die Immobilienbesitzer müssen einsehen, dass es kurzsichtig ist, Spitzenmieten erzielen zu wollen. Sie bringen nichts, wenn der Laden binnen kurzem leer steht.

Die Politik muss sich mehr überlegen, wie sie den Handel und damit das Leben in den Innenstädten fördern kann, ob mit  Parkplätzen oder attraktiven Fußgängerzonen. Und die Verbraucher sollten bedenken, dass sie bei der Wahl zwischen Innenstadt und Online auch über die Zukunft ihrer Stadt entscheiden.

leitartikel@swp.de

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