Kommentar Christoph Faisst zum Kameraeinsatz am Arbeitsplatz Ein Herz für Schnüffler

Christoph Faisst
Christoph Faisst © Foto: Volkmar Könneke
Film ab / Christoph Faisst 24.08.2018

Film ab. Nach diesem Urteil des Bundesarbeitsgerichts dürfen sich all jene, die auf Vorrat Beweise bunkern, endgültig ermutigt fühlen. Dashcam-Dreh im Straßenverkehr, falls es kracht? Kamera am Arbeitsplatz, falls Kunden ausrasten oder Mitarbeiter lange Finger bekommen? Zum zweiten Mal binnen weniger Monate hat ein Gericht in einer juristischen Grauzone den Daumen gesenkt und entschieden: Der Datenschutz spielt im Zweifel nur die Nebenrolle.

In einer Gesellschaft, die von wirtschaftlicher Verwertungslogik bestimmt wird, ist das konsequent. Doch das Signal ist fatal. Kameras werden immer kleiner und leistungsfähiger und sind mittlerweile omnipräsent. Der Datenhunger der Sicherheitsorgane wächst mit jedem spektakulären Verbrechen, nun dürfen auch Private ganz legal nachziehen – selbst wenn die Richter klargestellt haben: die Aufzeichnung als solche muss rechtmäßig sein.

Das ist ein schwacher Trost. Denn viele Chefs werden diese Einschränkung robust interpretieren. Privatsphäre gilt zu oft als Täterschutz, Überwachung dagegen als Allheilmittel. Das Herz für Schnüffler schlägt immer schneller.

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