Verglüht da eine Karriere, noch ehe sie recht begonnen hat? Familienministerin Franziska Giffey gilt als Hoffnungsträgerin der SPD, doch nun muss sie sich eines Plagiatverdachts erwehren. Sie soll in ihrer Doktorarbeit in Teilen abgeschrieben haben. Quellen, so der Vorwurf, seien nicht oder nicht vollständig genannt worden, manche Referenzen dienten der Verschleierung. Sollten sich die Verdachtsmomente bestätigen, würde Giffey nicht nur ihre Doktorarbeit verlieren, sie wäre wohl auch – siehe die Fälle Karl Theodor von Guttenberg oder Anette Schavan – politisch nicht mehr haltbar. Aber: Noch ist nichts bewiesen; und die Beurteilung ist oft nicht einfach. Zwischen klarem Betrug und nachlässigem, noch hinnehmbaren Arbeiten ohne Täuschungsabsicht öffnet sich üblicherweise ein weites Feld.

Neben den konkreten, bekannt gewordenen Fällen stellen sich allerdings grundsätzliche Fragen: Warum etwa werden so viele Doktorarbeiten geschrieben, ohne dass eine wissenschaftliche Karriere angestrebt wird? Warum versagt die Kontrolle, wo doch „Doktorväter“ und „Doktormütter“ das Entstehen einer Doktorarbeit begleiten und diese am Ende abnehmen und bewerten? Sie heben und senken den Daumen, vergeben eine Note. Und wie ist es um eine Gesellschaft bestellt, in der „Plagiatsjäger“ – in einem ersten Schritt oft anonym – sich auf die Pirsch begeben? Geht es ihnen nur um die Sauberkeit der Wissenschaft?

Einstweilen verteidigt sich Franziska Giffey, sie habe ihre Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Das freilich haben viele vor ihr auch getan, bevor sie gefallen sind. Es ist ein brenzliger Moment für sie.