Bagdad Ein aufpoliertes Bagdad hält Hof

Nach Isolation und Krieg richtet Bagdad wieder einen arabischen Gipfel aus: Hier trifft eine Delegation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Foto: dpa
Nach Isolation und Krieg richtet Bagdad wieder einen arabischen Gipfel aus: Hier trifft eine Delegation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ein. Foto: dpa
MARTIN GEHLEN 29.03.2012
Erstmals seit mehr als 20 Jahren findet das Gipfeltreffen der Arabischen Liga im Irak statt. Es ist zugleich der erste Gipfel seit Beginn der Umwälzungen in der Region. Im Mittelpunkt wird die Krise in Syrien stehen.

Einst galt sie als Strecke des Todes, jetzt sind entlang der Ausfallstraße zum Flughafen von Bagdad junge Palmen gepflanzt. Hotels wurden aufpoliert, Straßen frisch geteert, Fassaden neu gestrichen und Petunien gepflanzt. 100 000 Sicherheitskräfte patrouillieren in den Vierteln, für die ganze Woche wurden im Irak Sonderferien ausgerufen. Die Hauptstadt hält Hof.

500 Millionen Dollar hat das Land für die Ausrichtung des Arabischen Gipfels ausgegeben, der in doppelter Hinsicht eine Premiere ist. Es ist der erste Gipfel nach dem Arabischen Frühling und gleichzeitig der erste Gipfel auf irakischem Boden seit mehr als zwanzig Jahren. Saddam Hussein war seit seinem Überfall auf Kuwait 1990 geächtet und isoliert. Seine Nachfolger wollen sich den angereisten neuen Revolutionären und alten gekrönten Häuptern nun als eine normale Nation präsentieren, die nach amerikanischer Invasion und Besatzung, Bürgerkrieg und Terrorwellen endlich wieder Herr im eigenen Hause ist. Und mit Iraks Präsident Jalal Talabani hat erstmals ein Kurde den Vorsitz in dem arabischen Staatenplenum inne.

Beim letzten Gipfel in Sirte im März 2010 thronte noch Gastgeber Muammar Gaddafi über dem Geschehen und stand zusammen mit Ägyptens Hosni Mubarak, Tunesiens Ben Ali und Jemens Ali Abdullah Saleh - alle inzwischen aus ihren Ämtern vertrieben - in der ersten Reihe des Gruppenfotos. Damals ließ Libyens "Bruder Führer" in jeder Konferenzpause seine Mit-Potentaten mit der pan-arabischen Hymne "Burkan al-Ghadab" beschallen: "Oh Vulkan des Zorns, der die Araber vereint, entflamme die Ebenen, verschlinge die Hügel und schäume vor Wut über dem Sanden." Die Abschlusserklärung polterte dann wie üblich gegen Israel und beschwor wieder einmal das Ideal der arabischen Einheit.

Zur Nachahmung empfahl das Kommunique allen das "Jahr der Jugend", das Ben Ali 2010 in Tunesien ausgerufen hatte. Man müsse "eine Kultur der Offenheit und gegenseitigen Akzeptanz etablieren, die Prinzipien von Brüderlichkeit, Toleranz und Respekt für humane Werte unterstützen sowie die Menschenrechte, Menschenwürde und Freiheit respektieren", schloss der Text in blumiger Gipfelprosa.

Diesmal steht Syrien im Mittelpunkt, "die tiefe, blutende Wunde" der arabischen Welt, wie Libyens Wirtschaftsminister Ahmed al-Koshli formulierte. Vor vier Monaten hatte die Arabische Liga bereits einen Plan verabschiedet, der das Ende aller Kampfhandlungen, die Freilassung der Gefangenen, die humanitäre Versorgung der Bevölkerung, den Zugang für ausländische Beobachter sowie einen politischen Dialog zwischen Regime und Opposition forderte - eine Verhandlungsplattform, die mit dem Sechs-Punkte-Plan von Syrien-Vermittler Kofi Annan nahezu identisch ist.

Und so werden die 21 Staatschefs im neu aufgemöbelten Republikanischen Palast von Bagdad wohl ab heute nichts weiter tun, als ihre Forderungen vom letzten November noch einmal zu bekräftigen, ohne einen Rücktritt Assads zu fordern. Denn zunehmend Sorgen macht dem arabischen Lager der Zustand der syrischen Opposition, die ihre internen Differenzen nur mit großer Mühe übertünchen können. Anfang nächster Woche kommt die internationale Kontaktgruppe der "Freunde Syriens" am Bosporus zusammen. Syriens Regime hat inzwischen seine grundsätzliche Zustimmung zu dem Annan-Friedensplan bekundet. Das Sterben und die Kämpfe im Land jedoch gehen unvermindert weiter.