Mesale Tolu Kommentar zu Tolu: Druck auf Türkei aufrechterhalten

Elisabeth Zoll 18.12.2017
In die Freude über Mesale Tolu mischt sich Bitternis: Tausende Oppositionelle sitzen weiter in Haft. Sie dürfen nicht vergessen werden.

Für Mesale Tolu und ihre Familie ist es eine wunderbare Nachricht: Nach 7 Monaten Haft ist die junge Mutter frei. Vorläufig. Auch tausende Unterstützer durften am Montag feiern.

In die gute Nachricht mischt sich jedoch Bitternis. Die Neu-Ulmerin ist nicht die Einzige, die aufgrund ihrer oppositionellen Haltung zur türkischen Regierung Monate lang von der Außenwelt abgeschottet und behördlicher Willkür ausgesetzt war. Genannt werden muss Deniz Yücel, stellvertretend für die vielen namenlosen politischen Gefangenen.  Die internationale Öffentlichkeit darf nicht müde werden, an deren Schicksal zu erinnern und deren Freilassung einzufordern.

Erdogans Türkei bleibt trotz des gestrigen Zugeständnisses ein Land, das sich in eigenen Verfolgungsszenarien verfangen hat. Dass die Bundesregierung mit Ankara im Gespräch bleibt, wenn auch in einem kritischen, ist richtig. Dass Berlin Forderungen nach faulen Deals zum Austausch politischer Gefangener konsequent von sich weist, ebenso. Die Türkei ist in vieler Hinsicht auf Partner in Europa angewiesen. Diese müssen ihre Stärke nutzen, rechtsstaatliche Kriterien einzufordern.