Kommentar Guido Bohsem zu Griechenland Druck auf Griechenland war richtig

NBR Berlin. Copyright: Thomas Koehler/ photothek.net Berliner Redaktion, Kommentarfotos
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Berlin / Guido Bohsem 22.06.2018

Nein, unter dem Strich betrachtet profitiert Deutschland natürlich nicht von der Rettungsaktion für Griechenland. Diese war inmitten der Finanzkrise ein Akt der Solidarität und der Großzügigkeit, nicht nur von der Bundesrepublik, sondern auch von den anderen Euro-Staaten. Dass womöglich nun 2,9 Milliarden Euro an Zinsen aus Anleihekäufen in den deutschen Haushalt fließen, ist lediglich ein kleiner Zwischenposten in der großen Rechnung.

Denn obwohl es Griechenland wirtschaftlich deutlich besser geht, steht weiterhin in den Sternen, ob die Bundesrepublik oder die anderen Gläubiger-Länder die komplette Summe aus den drei Rettungsprogrammen für Athen jemals wiederbekommen werden. Die Kredite sind zeitlich inzwischen so weit gestreckt, dass es einem Zahlungsausfall gleichkommt. Der Internationale Währungsfonds plädiert nun schon seit Jahren dafür, sich in dieser Hinsicht ehrlich zu machen, und den Griechen die Schulden zumindest teilweise zu erlassen. Das könnte dem Land ermöglichen, wieder ohne die strenge Fürsorge der anderen Europäer zu wirtschaften.

Die Bundesregierung und insbesondere die Union wehren sich heftig dagegen. Vor allem um dem Eindruck entgegenzutreten, in Europa müsse man nur genug Schulden machen um auf diese Weise einen Freifahrtschein zu gewinnen. Doch das ist angesichts der Reformen, die die Griechen mitgemacht haben und auch weiter umsetzen müssen, maßlos übertrieben.

Der Grundgedanke, dass Hilfen nur gegen Reformen gezahlt werden, war richtig und er bleibt auch richtig. Die Strafe für die Schuldenmacherei der Griechen hätte härter kaum ausfallen können.

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