Ukraine Donbass: Regierung und Rebellen tauschen Gefangene aus

Ein ukrainischer Gefangener steigt vor der Übergabe aus dem Bus.
Ein ukrainischer Gefangener steigt vor der Übergabe aus dem Bus. © Foto: afp
Kiew / Stefan Scholl 28.12.2017
Es ist nur ein Schritt auf dem Weg zu einem Frieden in der Ostukraine. Erstmals seit 2016 haben die Kriegsparteien Gefangene ausgetauscht.

Die ersten Austauschkandidaten kamen aus Lugansk: Ein ukrainischer Berufssoldat, der im Winter 2016 in Gefangenschaft geraten war, ein Blogger, den die prorussischen Seperatisten wegen Hochverrats zu 14 Jahren Haft verurteilt hatten, zwei Fußballfans, die wegen einer verbrannten russischen Flagge  im Gefängnis gelandet waren.

Am Mittwoch kam es am Kontrollpunkt Majorsk bei Gorlowka im Donbass zum ersten Gefangenenaustausch seit September 2016. Nach monatelangen Verhandlungen hatten die Regierung in Kiew und die Rebellen sich unter Vermittlung orthodoxer Geistlicher geeinigt, 306 prorussische Separatisten gegen 74 ukrainische Soldaten und Patrioten auszutauschen. Allerdings verkürzte sich die Liste vor Ort, in den ukrainischen Autobussen saßen statt 306 nur 237 Leute, die ins Rebellengebiet wollten. Angeblich hatten 43 ukrainische Gefangene ihre Haftstrafen schon abgesessen, 29 weitere wollten sich nicht austauschen lassen, etwa 20 Gleichgesinnte waren vor Ort erschienen.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte den Austausch schon am Vortag auf Facebook gefeiert: „Ich hoffe, das wird zum Symbol unseres Kampfes und unseres Sieges. Auf diesen Tag habe ich all diese drei Jahre gewartet.“ Auch die russische Seite wollte keinen Zweifel am Vater des Erfolgs lassen: „Der Austausch kam vor allem dank Wladimir Putin zustande“, erklärt der Fernsehsender TW Zentr.

Beobachter bezweifeln, dass der Austausch von Majorsk zum Durchbruch beim Ringen um eine Lösung des Konfliktes werden könne. Der angestrebte Austausch „aller gegen alle“ gelang nicht. Russen, die auf Seiten der Rebellen gekämpft hatten, harren zu Dutzenden in ukrainischen Gefängnisse aus, umgekehrt hält Russland Ukrainer fest, die Menschenrechtsgruppen als „politische Gefangene“ bezeichnen. „Der Austausch ist eine Episode, die den Minsker Friedensprozess nicht vom toten Punkt bewegen wird“, sagt der Kiewer Politologe Wadim Karasjew. Ein ukrainischer Armeefreiwilliger scherzt: „Die Waffenruhe wird mit allen Kalibern eingehalten.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel