Düsseldorf Doktortitel entzogen: Schavan klagt

Will vor Gericht um ihren Doktortitel kämpfen: Annette Schavan. Foto: dpa
Will vor Gericht um ihren Doktortitel kämpfen: Annette Schavan. Foto: dpa
Düsseldorf / HANS-ULI THIERER UND DPA 06.02.2013
Die Universität Düsseldorf entzieht Annette Schavan den Doktortitel. Das hat der Fakultätsrat am Dienstagabend mitgeteilt. Schavan will dagegen klagen. Deshalb ist der Entzug des Titels noch nicht rechtskräftig. Doch der Druck auf die Bundesbildungsministerin wächst.

Annette Schavan (57) selbst sah in ihrer Dissertation nur Flüchtigkeitsfehler, die Universität Düsseldorf jedoch verbotene Plagiate: Am Dienstagabend hat der Fakultätsrat der Uni ihre schriftliche Promotionsleistung für ungültig erklärt und beschlossen, der Bundesbildungsministerin den Doktorgrad zu entziehen, den sie vor 33 Jahren erworben hatte.

Schavan will um ihren Doktortitel kämpfen. "Mein Kommentar: Ich klage gegen die Entscheidung und bitte um Verständnis, dass ich jetzt nicht mehr dazu sage", teilte sie der SÜDWEST PRESSE mit. In einer Erklärung ihrer Anwälte heißt es: "Die Entscheidung ist in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen und sie ist auch materiell rechtswidrig." Es habe keine Täuschung gegeben. Für eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf hat Schavan einen Monat Zeit.

Der Fakultätsrat hat die Aberkennung mit zwölf gegen zwei Stimmen bei einer Enthaltung beschlossen, teilte der Ratsvorsitzende, Prof. Bruno Bleckmann, mit. Der Rat sehe es als erwiesen an, "dass die damalige Doktorandin systematisch und vorsätzlich über die gesamte Dissertation verteilt gedankliche Leistungen vorgab, die sie in Wirklichkeit nicht selbst erbracht hatte".

Der Rat habe eine "vorsätzliche Täuschungsabsicht" festgestellt, sagte Bleckmann. Der Rat lehne es ab, an die Arbeit aus dem Jahr 1980 andere Maßstäbe anzulegen als heutzutage. Schavan habe in ihrer schriftlichen Stellungnahme zu der Dissertation auf "Besonderheiten" der Promotionskultur der 80er Jahre hingewiesen.

Schavan ist erst vor zehn Tagen zur Bundestagskandidatin des CDU-Kreisverbands Alb-Donau/Ulm gewählt worden. Dessen Vorsitzender Paul Glökler sagte, die Entscheidung der Uni mache endlich den Weg frei für eine rechtliche Prüfung. "Jetzt kann sie dagegen angehen." Er sei überzeugt, dass Schavan ihren Titel am Ende zurückbekomme.

Auch Peter Kulitz, der Präsident der Industrie- und Handelskammern in Baden-Württemberg, begrüßt, dass jetzt "der Weg frei (ist) für eine rechtliche Überprüfung durch unabhängige Gerichte." Er warf der Uni Düsseldorf "viele Verfahrensverstöße" und "offensichtliche Befangenheit" vor.

Cornelia Pieper (FDP), Staatsministerin im Auswärtigen Amt, stärkt Schavan den Rücken. Sie sei "nicht Ministerin wegen ihres Doktortitels, sondern weil sie den Job gut macht".

Der SPD-Bildungsexperte Ernst D. Rossmann forderte Schavan auf, zurückzutreten. Der "Berliner Zeitung" sagte er, sie habe jetzt "nicht mehr die Überzeugungskraft, um als Vorbild zu dienen". SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der "Welt": "Frau Schavan ist als Wissenschaftsministerin nicht mehr glaubwürdig. Sie muss daraus ihre Konsequenzen ziehen. Die Maßstäbe müssen für alle gelten - ohne Ansehen der Person." Grünen-Fraktionschefin Renate Künast
sagte dem "Tagesspiegel", eine Wissenschaftsministerin, der eine grobe Missachtung wissenschaftlicher Regeln nachgewiesen wurde, sei nicht länger tragbar. "Ich gehe davon aus, dass Frau Schavan sich und der Wissenschaft die Verlängerung dieser Affäre erspart und ihren Rücktritt erklärt."

<em>Kommentar. Die Richter haben das Wort</em>