Leicester DNA identifiziert Richard III.

Leicester / HENDRIK BEBBER 05.02.2013
Die Gebeine von Richard III., Ex-König von England, galten als verschollen. Jetzt haben Wissenschaftler die Knochen endgültig identifiziert.

"Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!", waren laut Shakespeare die letzten Worte König Richards III. Seine letzte Ruhe fand er unter einem öffentlichen Autoparkplatz in Leicester. Hier wurden im vergangenen Jahr bei Ausgrabungen seine Gebeine entdeckt. Ein Wissenschaftlerteam verkündete nun nach Monaten interdisziplinärer Forschung, dass es sich zweifelsfrei um die sterblichen Überreste Richard III. handelt.

Die Archäologen hatten im Herzen Leicesters ursprünglich nach den Überresten einer Franziskanerabtei gegraben. Als sie den ehemaligen Altar freilegten, machten sie wohl eine der aufregendsten archäologischen Entdeckungen unserer Zeit. Das dort gefundene Skelett wies alle Merkmale auf, die Rückschlüsse auf König Richard III. zuließen. Der Schädel zeigte Hiebwunden und im Torso steckte eine Pfeilspitze. Die Wirbelsäule wies eine Krümmung auf, die dem historischen Bild des missgebildeten Monarchen entsprach.

Richard III. fiel am 22. August 1485 in der Schlacht von Bosworth bei einer verzweifelten Kavallerieattacke gegen das Heer seines Rivalen Henry Tudor, der nach ihm als Heinrich VII. den Thron bestieg. Die Chroniken berichten, dass Richard im Kampf Hellebardenschläge auf den Kopf erhielt und von Pfeilen getroffen wurde. Sein Leichnam wurde in aller Stille von den Franziskanern unter dem Altar ihrer Abtei begraben.

Gewissheit, dass es sich um Richard III. handelte, ergab erst eine DNA-Analyse des Skeletts. Um den Vergleich des genetischen Erbguts zu ermöglichen, gelang es den Genealogen sogar, eine lückenlose Abstammungslinie von Richard III. zu lebenden Nachkommen zu ziehen.

Obwohl er nur von 1483 - 1485 regierte, gilt Richard als schlimmster Schurke in der britischen Geschichte, der bei seinem Weg zum Thron buchstäblich über die Leichen selbst seiner Freunde und Blutsverwandten schritt. Zu diesem Ruf verhalf ihm vor allem William Shakespeare, der ihn im Drama "Richard III" als hinkendes, buckeliges Monstrum darstellt, das sagt: "Ich bin gewillt, ein Bösewicht zu werden." Seine Gebeine sollen nun standesgemäß in der Kathedrale von Leicester beigesetzt werden.

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