OECD Die neue OCED-Bildungsstudie sieht Deutschland vorn. Zurecht?

Mathias Puddig
Mathias Puddig © Foto: MOZ
Berlin / Mathias Puddig 13.09.2017

Es sind Sätze wie aus dem Poesiealbum der Politik: „Bildung ist Deutschlands wichtigster Rohstoff“, sagt Heino von Meyer von der OECD. „Deutschlands Innovationsstärke beruht auf dem Bildungssystem“, pflichtet Ministerin Johanna Wanka ihm bei. Und einig sind sich beide, dass es doch gut aussieht hierzulande: Bei den Mint-Fächern ist Deutschland Spitzenreiter; Bildungssystem und Arbeitsmarkt sind gut aufeinander abgestimmt. Die Sonntagsrede könnte hier enden – und sie würde es wohl auch, wenn es nach Ministerin Wanka ginge.

Denn so kurz vor der Wahl nimmt die CDU-Politikerin die Komplimente von der OECD zwar gern mit. Auf deren Kritik ging sie am Dienstag aber nicht so gern ein. Dabei hat die internationale Organisation ein paar ernstzunehmende Hinweise. Wie kann es etwa sein, dass Deutschland es nicht schafft, Frauen für die Mint-Fächer zu begeistern? Natürlich hat Wanka recht, wenn sie sagt, dass auf dieses Potenzial nicht verzichtet werden darf. Nur wie das gehen soll, diese Antwort bleibt sie schuldig. In anderen Bereichen weigert sie sich sogar, die kritischen Befunde anzuerkennen. Die OECD mahnt, dass Deutschland im internationalen Vergleich zu wenig in Bildung investiert – die Ministerin sagt, die Zahlen seien nur schwer vergleichbar. Die OECD kritisiert, dass der Bildungsaufstieg in Deutschland für viele ein leeres Versprechen bleibt – Wanka sagt, sie halte nichts von den verwendeten Indikatoren: „Die guck ich mir auch nicht an.“ Die Ministerin macht es sich zu leicht, wenn sie bei allen positiven Befunden die Kritik einfach so wegbügelt. Denn dass Bildung Deutschlands wichtigster Rohstoff ist, ist zwar Politik-Poesie. Es ist deswegen aber nicht falsch.