Die Konkurrenz tanzt auch

GUNTHER HARTWIG 15.11.2014

Am nächsten Freitag steigt der 63. Bundespresseball, erstmals in der Haupthalle des ehemaligen Flughafens in Tempelhof. In Bonner Zeiten war das seit 1951 von der Bundespressekonferenz ausgerichtete Fest das wichtigste gesellschaftliche Ereignis des Jahres, für Journalisten wie Politiker ein Pflichttermin. Der Bundespräsident genießt traditionell das Vorrecht des ersten Tanzes zu den Klängen des Kaiserwalzers, und auch die Kanzler - von Konrad Adenauer bis Gerhard Schröder - ließen sich nicht bitten.

Seit dem Regierungsumzug nach Berlin 1999 büßte der Ball an Attraktivität ein, was nicht zuletzt daran liegt, dass es in der Hauptstadt nur so wimmelt von glamourösen Galas und Events. Stars aus Film und Fernsehen machen sich, anders als früher in Bonn, ebenso rar wie Sportler oder Wirtschaftsbosse. Weil Sponsoren absprangen, mussten die Veranstalter die Eintrittspreise erhöhen. Nichtmitglieder zahlen jetzt mindestens 490 Euro für ihr Ticket (inklusive Speisen und Getränke). Das ist manchen bisherigen Ballbesuchern zu viel.

Deshalb hat eine private Initiative am 21. November zu einem alternativen "Bundesmedienball" eingeladen, ins Ballhaus Mitte, 85 Euro kostet der Spaß im Vorverkauf. Über 300 Anmeldungen vermeldet Mitausrichter Lutz Meyer, Ex-Pressesprecher von Innenminister Otto Schily (SPD) und 2013 Wahlkampfberater der CDU. Statt Champagner wie beim Bundespresseball gibt es bei der Konkurrenz Crémant, statt Austern Gemüsedöner.

Angela Merkel übrigens wird weder auf dem einen noch auf dem anderen Ball erscheinen. Die Kanzlerin hat für derlei bewegungsintensive Lustbarkeiten nichts übrig und gab der Bundespressekonferenz schon immer einen Korb. Vielleicht hat diese andauernde Abstinenz der Regierungschefin den Bedeutungsverlust des Bundespresseballs beschleunigt, vielleicht aber braucht die Veranstaltung nicht nur einen neuen Ort, sondern auch ein anderes Konzept. Dann wäre womöglich sogar die notorische Nichttänzerin Angela Merkel zu motivieren, einen entspannten Abend mit der Berliner Medienmeute zu verbringen. Kleiner Tipp an die Organisatoren: Wenn beim nächsten Mal Jogi Löw und seine schmucken WM-Jungs als Ehrengäste eingeladen werden, wird auch deren größter Fan, die Kanzlerin, garantiert kommen.

Die Kanzlerin

pflegt andauernde

Abstinenz

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