Paris Die Hosen an

Jetzt auch in Frankreich offiziell: Frauen dürfen Hosen tragen.
Jetzt auch in Frankreich offiziell: Frauen dürfen Hosen tragen. © Foto: Archiv/Volkmar Könneke
Paris / PETER HEUSCH 07.02.2013
Kein Scherz: Französinnen dürfen jetzt offiziell Hosen tragen. Dies war nach einem Gesetz aus napoleonischer Zeit bisher verboten.

Es hat ziemlich lange gedauert, aber am Ende war der Fortschritt dann doch nicht aufzuhalten: Französinnen ist es offiziell gestattet, Hosen in der Öffentlichkeit zu tragen. Vor wenigen Tagen hat die französische Regierung ein Gesetz außer Kraft gesetzt, welches Hosenkleider allein dem starken Geschlecht vorbehielt - unter Strafandrohung wohlgemerkt.

Genaugenommen handelt es sich um ein Dekret mit Gesetzeskraft, das anno 1800 von der Konsularregierung unter Napoleon Bonaparte erlassen wurde. "Jede Frau, die sich wie ein Mann zu kleiden wünscht, muss sich bei der Polizeipräfektur melden, um hierfür eine Bewilligung einzuholen", stipuliert der Text. Doch was auf den ersten Blick einigermaßen freundlich klingt, wurde in der Praxis äußerst restriktiv gehandhabt. Die Ausnahmen beschränkten sich etwa auf das Reiten eines Pferdes oder das Erklimmen eines Fahrradsattels.

Dieses prinzipielle Hosenverbot für die französische Weiblichkeit galt noch bis zum 31. Januar. Es stimmt zwar, dass die Französinnen das ominöse Gesetz seit einer Ewigkeit systematisch mit Missachtung straften. Aber allein seine Existenz war mehr als ein Anachronismus in einem Land, das stolz ist auf Frauenrechtlerinnen wie Simone de Beauvoir und das als eines der ersten die Pille oder den Schwangerschaftsabbruch einführte.

Offenbar musste eine junge Frau marokkanischer Abstammung daherkommen, der auffiel, was für ein Unding dieser alte Zopf ist. Es war Najat Vallaud-Belkacem (35), Frauenministerin und Regierungssprecherin in Personalunion, die das Hosenverbot außer Kraft setzen ließ. Die Aufhebung begründete sie zornbebend gleich dreifach: unvereinbar mit dem Prinzip der Gleichheit von Mann und Frau, unvereinbar mit der französischen Verfassung und unvereinbar mit der europäischen Menschenrechtskonvention.

Dabei fällt im aktuellen Regierungskabinett ohnehin auf, dass Frauen die Hosen anhaben, wenn es um das Hochhalten des Gleichheitsgebots in der Verfassung geht. So energisch wie Vallaud-Belkacem streitet Justizministerin Christine Taubira für die "Ehe für alle". Es soll Homosexuellen das Recht auf Heirat zuerkennen.