Die große Idee von Europa

HELMUT SCHNEIDER 13.07.2012
Am Anfang war die Idee von der Einigung Europas. Die Währung sollte das wirkungsvollste Instrument dafür sein. Doch sie brachte ein Risiko mit sich.

Finanzkrise, Bankenkrise, Währungskrise, Staatsschuldenkrise - das ist nicht dasselbe. Aber alles hängt miteinander zusammen und wird von vielen als Wirtschaftskrise bezeichnet, was wiederum knapp daneben ist. Denn Deutschland hat aktuell keine Wirtschaftskrise, auch wenn davon ständig die Rede ist. Griechenland dagegen ist pleite, Spanien nicht, hat aber Banken, die von der Pleite bedroht sind. Und weil Deutschland, Griechenland, Spanien und 14 andere Länder eine gemeinsame Währung, den Euro, haben, wollen alle zusammen diese gemeinsame Währung retten. Und mit ihr die Idee von der europäischen Einheit. Die ist 50 Jahre alt und hat ebenfalls viele Aspekte.

Wahrscheinlich hatte Bundespräsident Joachim Gauck einige davon im Sinn, als er vergangene Woche die Bundeskanzlerin um bessere Vermittlung dessen bat, was die Deutschen bei der Rettung des Euro leisten, und vor allem warum. Niemand gibt Milliarden aus, wenn er nicht von etwas überzeugt ist.

Diese Seite ist ein Versuch, Erklärungen zu liefern. Vor allem will sie versuchen, die Mosaiksteine zu einem Bild zu ordnen. Es beschränkt sich auf die wirtschaftlichen und finanziellen Aspekte der Staatsschuldenkrise. Seit zwei Jahren versucht die EU sie zu lösen.

Was sind Staatsschulden? Die banale Feststellung, dass Staaten wie Firmen oder Privathaushalte nicht auf die Dauer mehr ausgeben als einnehmen können, ist zwar richtig, hilft aber nicht weiter. Denn die USA haben bezogen auf ihre Wirtschaftsleistung mehr Schulden als Spanien - und doch keine Schuldenkrise. Und auch Deutschland, der Musterschüler Europas, türmt seit Jahrzehnten jedes Jahr seinen Schuldenberg ein bisschen höher auf. Niemand stört das im Moment.

Die gemeinsame Währung stärkt den Wirtschaftsraum in der Konkurrenz zu den USA oder China; sie erleichtert Verbrauchern das Reisen und Unternehmen die Geschäftsverbindung mit dem Ausland und erspart ihnen das Wechselkursrisiko. Der Euro zahlt sich wirtschaftlich aus. Er bietet mehr Schutz vor Spekulationen der Finanzmärkte.

Eine gemeinsame Währung setzt aber voraus, dass die beteiligten Staaten wirtschaftlich nicht allzu weit auseinanderdriften. Der Wechselkurs, der unterschiedliche Leistungsfähigkeiten ausgleichen kann, ist nicht mehr vorhanden. Damit können sich schwächere Länder gegenüber dem Ausland nicht mehr schnell wettbewerbsfähig machen.