Hintergrund Die größten kriminellen Clans

Diese 100-Kilo-Münze wurde aus dem Bode-Museum gestohlen.
Diese 100-Kilo-Münze wurde aus dem Bode-Museum gestohlen. © Foto: Marcel Mettelsiefen/dpa
Berlin / Thomas Block 22.09.2018

Kein Clan war in den vergangenen Monaten so oft in den Schlagzeilen wie der Remmo-Clan aus Berlin. Er soll hinter dem Diebstahl einer 100 Kilogramm schweren Goldmünze aus dem Berliner Bode Museum im März 2017 ebenso stecken wie hinter dem Mord an Ali O. aus Berlin-Britz. Im Juli wurden 77 Immobilien der Familie beschlagnahmt, sie sollen mit dem Erlös aus den kriminellen Clan-Aktivitäten gekauft worden sein. Toufic Remmo (33) wurde für den Raub von 9,16 Millionen Euro aus einer Sparkasse 2014 zu acht Jahren Haft verurteilt. Familienoberhaupt ist der 51-jährige Issan Remmo. Er hat 13 Kinder und lebt in Buckow. Die Größe des Clans wird auf mehrere Hundert Mitglieder geschätzt.

Der Al-Zein-Clan ist der wohl größte Clan Deutschlands. Er soll etwa 15 000 Mitglieder haben. Sein Oberhaupt Mahmoud Al-Zein wurde schon als „Pate von Berlin“ bezeichnet. Er soll über Jahre in der Unterwelt der Hauptstadt, aber auch im Ruhrgebiet den Ton angegeben haben und wurde 2008 wegen Drogenhandels zu vier Jahren Haft verurteilt. Nach Deutschland kam Al-Zein Anfang der 1980er Jahre als angeblich staatenloser Palästinenser. Die polizeiliche Arbeitsgruppe „Ident“ fand später heraus, dass er türkischer Herkunft ist. Eine Abschiebung misslang, weil die Türkei Al-Zeins Staatsbürgerschaft nicht anerkennt.

Die in Berlin ansässige Abou-Chaker-Familie zählt zwar nur 150 Mitglieder, hat aber einiges auf dem Kerbholz: gefährliche Körperverletzungen, Zuhälterei, Raub, Diebstahl und Bedrohungen mit Pistolen. Von „mafiösen Strukturen“ spricht die Berliner Staatsanwaltschaft. 2010 überfielen Clanmitglieder ein Pokerturnier in einem Berliner Luxushotel und erbeuteten 242 000 Euro. Größere Bekanntheit erlangte der libanesisch-palästinensische Clan  durch den Rapper Bushido. Der ließ sich von Arafat Abou-Chaker managen und pflegte privat Kontakt. Der 42-Jährige ist wegen Bedrohung und Körperverletzung angeklagt.

Von den 2500 Mitgliedern der in Bremen ansässigen, aber auch in Berlin  und im Ruhrgebiet vertretenen Miri-Familie standen 1200 schon im Fokus der Ermittler. Zum Familiengeschäft sollen Schutzgelderpressung, Zuhälterei, Drogen- und Waffenhandel gehören. Der mutmaßliche Clan-Anführer Ibrahim Miri wurde 2014 wegen bandenmäßigen Drogenhandels zu sechs Jahren Haft verurteilt.

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