Federführend sind die Experten des Deutschen Archäologischen Instituts, die bereits seit 2012 am Projekt „Stunde Null“ unter dem Dach eines internationalen Kompetenznetzwerks beteiligt sind. Bei dieser Initiative arbeitet das DAI eng mit dem Museum für Islamische Kunst in Berlin zusammen. Fachleute bemühen sich, die in der Hauptstadt vorhandenen Informationen und Materialien zu Syrien zu sammeln und sie mit den Daten der syrischen Antikenverwaltung zu synchronisieren. So entsteht eine wichtige Basis für den Wiederaufbau des Landes. Die DAI-Präsidentin Friederike Fless verweist auf eine „lange Forschungstradition in Syrien“. Das deutsche Institut mache jetzt den syrischen Kollegen seine Archive zugänglich: „Um das zu leisten, haben wir einen syrischen Kollegen eingestellt, der die Schnittstellen zur Datenbank in Damaskus programmiert.“

Zusätzlich werden derzeit zwölf Steinmetze, darunter syrische Flüchtlinge und Jordanier, von deutschen Kollegen ausgebildet. Sie sollen die Konservierung und Restaurierung mittelalterlicher Ruinenstätten in Angriff nehmen. Mit Unterstützung der Gerda-Henkel-Stiftung machen Stipendiaten aus Syrien und Ägypten an der Technischen Universität Cottbus-Senftenberg ihren Master in „Cultural Heritage Studies“, also einen auf den Wiederaufbau von Kulturstätten ausgerichteten Abschluss. Die Syrer arbeiten zusammen mit deutschen Stadtplanern aus Cottbus und Denkmalexperten des Netzwerks Planungsgrundlagen.

Das DAI wird vom Auswärtigen Amt im Rahmen seiner Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik finanziert. Einen eigenen Haushaltstitel für den Wiederaufbau in Syrien gibt es noch nicht. An der Sanierung der Altstadt von Aleppo war bis 2008 die deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (heute GIZ) maßgeblich beteiligt. Sie investierte rund 42 Millionen Euro in Aleppo.