Deutsche Arbeitnehmer verbrachten nach einer Untersuchung des Pariser Wirtschaftsforschungsinstituts Coe-Rexecode im Jahr 2010 durchschnittlich 1904 Stunden am Arbeitsplatz. Französische Angestellte und Arbeiter kamen nur auf 1679 Stunden. Auch andere große EU-Staaten wie Großbritannien (1856), Italien (1813) oder Spanien (1798) liegen bei der durchschnittlichen Arbeitszeit zum Teil deutlich hinter Deutschland. Erheblich mehr gearbeitet wird allerdings in Ländern wie Rumänien (2095 Stunden) oder Ungarn (2021).

Die griechischen Vollzeitbeschäftigten sind ebenfalls mit 1971 Stunden pro Jahr etwas arbeitsamer als deutsche. Schlusslicht der Statistik sind hinter den Franzosen die Finnen mit 1670 Jahresarbeitsstunden.

Fleißiger als die deutschen Arbeitnehmer sind die Selbstständigen in der Bundesrepublik. Sie arbeiteten 2010 im Schnitt 2459 Stunden pro Jahr. Innerhalb der EU engagierten sich mit 2551 Stunden nur die Österreicher noch mehr.

Das französische Institut CoeRexecode bezieht sich mit seinen Untersuchungen auf die effektive Arbeitszeit. Bei der tariflichen Sollarbeitszeit sieht die Bilanz für das Jahr 2010 anders aus. Da liegen die deutschen Arbeitnehmer im europäischen Vergleich mit 1659 Stunden im Jahr vor Frankreich mit 1602 und Dänemark mit 1628 auf dem drittletzten Platz. In Polen und Ungarn wird nach dieser Statistik mit 1856 und 1848 Stunden am längsten gearbeitet.

EU-Spitzenreiter sind Deutsche und Dänen bei den Urlaubs- und Feiertagen mit 40 im Jahr 2010. In Frankreich sind es 35; Ungarn ist das Schlusslicht mit 29 Tagen.

"Frankreich ist das einzige Land, das per Gesetz die Arbeitszeit generell gesenkt hat", sagte der Direktor des Instituts Coe-Rexecode, Michel Didier. Dem Land könne es bessergehen, wenn mehr gearbeitet würde. Für Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy ist die Studie Munition für den Präsidentschaftswahlkampf. Er schwärmt seit Monaten vom "deutschen Modell".

Französische Medien wiesen gestern darauf hin, dass die Bundesrepublik die europäische Schuldenkrise wesentlich besser verkrafte als das eigene Land. "Deutschland gewinnt das Wirtschaftsduell mit weitem Vorsprung", schrieb etwa die Zeitung "Les Echos" mit Blick auf deutsche Wirtschaftsdaten. dik/dpa