Der rote Peter löst die schwarze Petra ab

Peter Feldmann beendet eine bittere Niederlagenserie der SPD in Frankfurt.
Peter Feldmann beendet eine bittere Niederlagenserie der SPD in Frankfurt.
CHRISTOPH SCHMIDT-LUNAU 27.03.2012
Sozialdemokrat Peter Feldmann hat überraschend den Chefsessel im Frankfurter Rathaus erobert. Regieren muss er mit schwarz-grüner Mehrheit.

Die Genossen feierten ausgelassen vor dem Dom, in dem einst die deutschen Kaiser gekrönt wurden. Sie ließen Peter Feldmann hochleben, mit Sprechchören, Konfettikanonen und viel Beifall. Der "Nobody", so nannten ihn Medien noch am Tag der Stichwahl, hatte das scheinbar Unmögliche geschafft. Mit 57,4 Prozent der Stimmen konnte Feldmann den Favoriten, den CDU-Kreisvorsitzenden und hessischen Innenminister Boris Rhein, schlagen.

"Das hätte ich selbst nie für möglich gehalten", bekannte bei der improvisierten Jubelfeier der künftige Oberbürgermeister. "Das ist geil" rief SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel, der sonst nicht zu emotionalen Ausbrüchen neigt. Mit Feldmanns Sieg endet für die SPD in ihrer einstigen Hochburg eine lange Reihe von bitteren Niederlagen. Den letzten Wahlerfolg feierte sie hier vor mehr als 20 Jahren.

Erstmals seit der Vertreibung von Ludwig Landmann durch die Nationalsozialisten im Jahre 1933 regiert im Frankfurter Römer künftig mit Feldmann wieder ein Oberbürgermeister mit jüdischem Hintergrund. Feldmann hatte im Jahr 2007 den Arbeitskreis jüdischer Sozialdemokraten gegründet und ist deren Sprecher. Der 53-jährige Sozialpolitiker und Vize-Fraktionschef im Römer wird dem linken Flügel zugerechnet. Er konnte mit seinen Themen punkten: Kampf gegen die Kinderarmut, für bezahlbaren Wohnraum und mehr Betreuungsplätze.

Schon sein zweiter Platz im ersten Wahlgang war ein Erfolg, den ihm viele nicht zugetraut hatten. Da lag Feldmann noch hinter dem Favoriten. Doch sein unermüdlicher Straßenwahlkampf, seine tausende Hausbesuche zahlten sich aus. Bei der Stichwahl deklassierte er den CDU-Innenminister, mit 24 000 Stimmen Vorsprung.

Der erfolgsgewohnten hessischen CDU nutzte offenbar auch das schwarz-grüne Bündnis nur bedingt, mit dem Feldmanns Vorgängerin Petra Roth in Frankfurt regierte. Vier zentrale Dezernate der Stadtregierung werden von Grünen geleitet. Der künftige OB wird nun erst einmal auf Schwarz-Grün zugehen müssen.