Tampa Der neue Neil Armstrong?

Tampa / PETER DE THIER 01.09.2012
Während Clint Eastwood auf dem Republikaner-Parteitag einen bizarren Auftritt hinlegte, brachte Präsidentschaftskandidat Romney die Menge doch noch hinter sich. Die Wirkung könnte aber schnell verpuffen.

Er versprach zwölf Millionen neue Jobs, umwarb rührselig die weiblichen Wähler, verglich sich mit einem der größten amerikanischen Helden, dem kürzlich verstorbenen Astronauten Neil Armstrong, und verurteilte knochenhart die Wirtschaftspolitik des amtierenden Präsidenten. Zum Abschluss des republikanischen Parteikonvents in Tampa hielt der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney eine solide Grundsatzrede, die ihm zwei Monate vor den US-Wahlen frischen Schwung geben wird. Fraglich ist aber, ob es reichen wird, um am 6. November Barack Obama aus dem Amt zu jagen.

Die Inszenierung des dreitägigen Medienspektakels war im Grunde perfekt. Jedem Stargast, der abends zum Podium schritt, war eine konkrete Rolle zugedacht, um Vorarbeit zu leisten für die wichtigste Rede in der langen Karriere des 65-jährigen Präsidentschaftskandidaten. Ehefrau Ann Romney sollte den als kühl und distanziert geltenden Multimillionär in einem humaneren Licht darstellen, ihn quasi "vermenschlichen" und damit gerade bei Frauen Sympathien für jenen Mann gewinnen, dem sie vor 43 Jahren das Ja-Wort gegeben hatte. New Jerseys Gouverneur Chris Christie und Romneys Vize Paul Ryan hatten die Aufgabe, mit pointierten Anekdoten und Geschichten aus dem Leben fleißiger Amerikaner, die um ihre wirtschaftliche Existenz bangen, das Scheitern von Obamas Politik zu illustrieren.

Krönender Höhepunkt des Parteikonvents war aber die Abschlussveranstaltung, bei der Romney selbst die Gelegenheit haben sollte, sich Millionen skeptischer Wähler in einem sympathischeren Licht zu präsentieren. Frei von Pannen war der große Abend nicht. So hatte wenige Stunden zuvor ein Mitarbeiter des Romney-Teams das Geheimnis um den mit Spannung erwarteten Überraschungsgast gelüftet: Ganz nach dem Vorbild von George W. Bush, der den Leinwand-Moses Charlton Heston einbinden konnte, um für eine Lockerung der Waffenkontrollen und andere konservative "Werte" zu werben, verpflichteten die Republikaner erneut eine lebende Legende aus der Traumfabrik Hollywood: Action-Star Clint Eastwood, der seinen Parteifreunden aber eher zur Blamage gereichte. Die Veranstalter hatten einen leeren Stuhl neben das Podium gestellt. Für Obama, dem der "Dirty Harry"-Darsteller in einem fiktiven Gespräch Amerikas Leid klagte.

Als Obama 2008 gewählt wurde, hätten Millionen gerührter Amerikaner geweint. "Ich aber habe nie so viel geweint wie heute, wo in unserem Land 23 Millionen Menschen ohne Arbeit sind", sagte Eastwood, um dann den "exzellenten, ausgewiesenen Manager" Romney als Problemlöser zu präsentieren. Der Superstar wirkte aber gelegentlich verwirrt und tatterig. Auch versetzte er das Publikum mit profanen Anspielungen sichtlich in Unbehagen.

Der wahre Superstar des Abend hingegen nutzte seine Chance, um das Etikett eines kühlen, elitären und distanzierten Managers abzuschütteln, der in der Wahrnehmung der meisten Amerikaner außerstande ist, sich mit den Problemen der Mittelklasse zu identifizieren. Um der Probleme der USA Herr zu werden, bedürfe es einer Persönlichkeit wie Neil Armstrong, dem ersten Mann auf dem Mond, sagte Romney. Armstrong verkörpere jene "Mischung aus Optimismus, Bescheidenheit und der festen Überzeugung, dass - wenn die Welt jemanden braucht um wirklich große Dinge zu tun - dann braucht man einen Amerikaner dafür". In dieser Rolle sieht sich wohl auch Romney, der dann prompt um die Sympathien jener weiblichen Wähler warb, die ihm nach wie vor mit hartnäckiger Skepsis gegenüberstehen. Als Gouverneur von Massachusetts habe er nicht nur eine Stellvertreterin ernannt, sondern in seinem leitenden Stab vorwiegend Frauen gehabt. Dann die unvermeidliche Huldigung gegenüber Ehefrau Ann. Einen großen Haushalt zu führen und fünf Söhne großzuziehen, wie sie es tat, sei ein "viel wichtigerer Job als meiner: Ann ist meine Heldin". verkündete Romney und riss das Publikum zu Beifallsstürmen hin.

Dann blies er zum Frontalangriff auf jenen Mann, den er ablösen will. Jeder Präsident, der sich um eine weitere Amtsperiode bewirbt, müsse den Wählern die Frage stellten: "Seid Ihr besser dran als vor vier Jahren?" Bei nur zwei Demokraten hätten die Wähler diese Frage eindeutig verneinen müssen, bei Jimmy Carter und Obama.

Romneys "Fünf-Punkte-Plan", der über Handelsliberalisierung, Energie- und Bildungspolitik sowie Schuldenabbau dem Arbeitsmarkt neues Leben einhauchen soll, blieb indes genauso vage wie auch seine außenpolitischen Visionen, die im Wesentlichen darin bestanden, Obamas "Schmusekurs" gegenüber dem Iran sowie dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu kritisieren. Die Wirkung des Medienspektakels der Republikaner könnte schnell wieder verpuffen, wenn nämlich kommende Woche die Demokraten zum Zuge kommen.