Ohio Der Mann auf dem Mond

Ohio / MANUELA IMRE CHRIS MELZER, BEIDE DPA 27.08.2012
Ein linker Fuß ging in die Geschichte ein: Neil Armstrong setzte ihn am 21. Juli 1969 als erster Mensch auf den Mond. Nun starb der US-Amerikaner, der die Heldenrolle stets ablehnte, im Alter von 82 Jahren.

Der Marineflieger Neil Armstrong aus Ohio musste ein ganzes Geschwader von Schutzengeln gehabt haben: Krieg, Testflüge und Weltraumabenteuer überstand er unverletzt und selbst eine Bruchlandung mit einem Testgerät überlebte er. Ebenso wie eines der größten Abenteuer, das die Menschheit zu bieten hatte: Als erster Mensch setzte Armstrong am 21. Juli 1969 seinen Fuß auf einen anderen Himmelskörper, gewann damit die wichtigste Schlacht des Kalten Krieges.

Der Wettlauf zum Mond war eine Revanche. Denn zehn Jahre zuvor schickten die Sowjets eine Rakete nach der anderen ins All, während die der Amerikaner schon beim Start explodierten. Solche Unglücke gab es zwar auch bei den Russen, in der Diktatur erfuhr nur niemand davon, während die amerikanischen Fehlschläge live im neuen Medium Fernsehen übertragen wurden. Als 1961 auch noch der erste Mensch im All ein Russe war, wollte US-Präsident John F. Kennedy die gedemütigte Nation wieder aufrichten. Noch bevor das Jahrzehnt zu Ende sei, würden die Amerikaner einen Mann auf den Mond bringen - und "auch sicher wieder zurück".

Das Versprechen wurde eingehalten, wenn auch knapp. Bis zum Ende der 60er Jahre waren es nur noch gute fünf Monate, als Dutzende Millionen Menschen auf der ganzen Welt eine Live-Übertragung in grässlicher Schwarz-Weiß-Qualität verfolgten. Lange nach der Landung holperte eine graue Gestalt eine Leiter herunter, stampfte - mit dem linken Fuß zuerst - in die dünne Staubschicht des Mondes und sagte den Satz, der zu einem der berühmtesten Zitate werden sollte: "Das ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein riesiger Sprung für die Menschheit." Das heißt, eigentlich sagte Armstrong das nicht, er vergaß nämlich das "a", im Englischen für "ein". Jahrzehnte wurde darüber gestritten, ob die Technik den Buchstaben verschluckt habe oder Armstrong selbst. Einem anderen Pionier, Edmund Hillary, war der Satz ohnehin zu schwülstig: Armstrong hätte besser etwas wie "Herrgott, wir sind da" sagen sollen.

Solche Kritik wie auch spätere Spekulationen um die Echtheit der Mondlandung schienen den zurückhaltenden Armstrong nie zu treffen. Noch viel weniger interessierte ihn der Ruhm. Dabei hatte Armstrong alles, was zum Bild eines großen Helden gehörte: Intelligenz, Willensstärke, Mut, Visionen - und Attraktivität. Der Weg zum Star oder Politiker wäre ein leichter gewesen. Armstrong aber mied ihn mit geradezu sturer Beharrlichkeit. Er gab irgendwann keine Autogramme mehr, auch keine Interviews und hielt nur selten eine Rede. "Ich bin und werde für immer ein weißer Socken tragender, auf seine Tasche aufpassender, streberhafter Ingenieur bleiben", sagte er einmal.

Nach der Rückkehr vom Mond ließ sich Armstrong mit der Crew kurz feiern. 1971 verließ er die Nasa und lehrte acht Jahre Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität von Cincinnati (Ohio). Danach nahm der in zweiter Ehe verheiratete Armstrong hin und wieder Sprecherfunktionen an und war Vorstandsmitglied in Unternehmen. Seine Begeisterung für Raumfahrt und Fliegerei verflog aber nie. Er besaß ein Privatflugzeug, verfolgte weiter die Geschehnisse rund um die Raumfahrt und hielt sich 2010 nicht mit Kritik zurück, als Präsident Barack Obama die Abkehr von einem neuen Nasa-Mondprogramm verkündete.

Schon als Zweijähriger soll Armstrong von Flugzeugen fasziniert gewesen sein. Mit 16 erwarb er seine Fluglizenz, studierte schließlich Luftfahrt-Ingenieurwissenschaften und wurde Marineflieger. Die Wolken reichten aber nicht, Armstrong wollte höher hinaus: 1962 ging er zur Nasa, sieben Jahre später leitete er die "Apollo 11"-Mondmission, stieg als erster aus der Luke - und schrieb Menschheitsgeschichte.