Sanaa Kommentar zur Situation im Jemen: Vor neuer Gewalt

Martin Gehlen, Nahost-Korrespondent der SWP.
Martin Gehlen, Nahost-Korrespondent der SWP. © Foto: swp
Sanaa / Martin Gehlen 05.12.2017
Der Tod des langjährigen Machthabers Saleh wird dem Jemen eine Zäsur bringen. Vermutlich mit noch mehr Gewalt, meint Martin Gehlen.

Arabia Felix, glückliches Arabien, nannten die Römer einst bewundernd den Jemen. Heute zählen das Land und seine Bevölkerung zu den unglücklichsten Flecken der Erde. Seit Jahrzehnten ist die Nation durch ihre politischen Führer in schier endlose Konflikte, Katastrophen und Kriege verwickelt, allen voran Ali Abdullah Saleh. Der jahrzehntelange Despot hat seinen Sturz durch den Arabischen Frühling im Jahr 2012 nie verwunden und war deswegen sogar bereit, mit seinem langjährigen Erzfeind, den Huthis, zu paktieren, um sich den Weg zurück an die Macht zu bomben.

Fast 9000 seiner Landsleute hat dies bisher das Leben gekostet, kaum ein Jemenit, der nicht hungert oder seine Kinder nicht mehr ernähren kann. Insofern markiert Salehs Tod eine Zäsur für das gequälte Land, die jedoch nicht den Frieden bringen, sondern die Kämpfe zwischen allen Fraktionen erst richtig anfachen könnte.

Die Huthis haben nichts mehr zu verlieren, seit ihnen der durchtriebene Ex-Präsident am Samstag per Fernsehansprache das Kriegsbündnis gegen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aufkündigte. Nach dem Marschbefehl des im saudischen Exil lebenden Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi an seine Regierungstruppen, die Hauptstadt Sanaa zurückzuerobern, könnte der legendären Weltkulturerbe-Metropole nun das gleiche Schicksal drohen wie zuvor Aden und Taiz, Aleppo und Mossul, Homs und Rakka. Und so dreht sie sich weiter, die Spirale von Gewalt und Zerstörung – und wird nun auch den Jemen verschlingen, seit der Antike eines der schönsten und faszinierendsten Länder des Orients.

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