Die gute Nachricht an den Flüchtlingszahlen 2018 ist, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge die Überforderung offensichtlich überwunden hat. Das ist ein wichtiges Signal, das Innenminister Host Seehofer durch eine Verlängerung der Überprüfungsfristen für Flüchtlingsanerkennungen unterstützen will. Allerdings sind die sinkenden Asylzahlen mitnichten dem Bamf oder der Asylpolitik der Bundesregierung zu verdanken, noch nicht einmal der Asylpolitik der EU.

Es ist bitter, aber die Wahrheit ist: Das harte Durchgreifen an den EU-Außengrenzen hat diese Zahlen möglich gemacht. Genauso wie nach der akuten Flüchtlingskrise 2015/16 die Balkan-Route von Ungarn und anderen Staaten dicht gemacht wurde und danach durch den Türkei-Deal der EU die Flüchtlingsbewegungen über das östliche Mittelmeer eingedämmt wurden, ist es gegenwärtig die Vereinbarung Italiens mit der libyschen Küstenwache zur Seeüberwachung, die im zentralen Mittelmeer die Zahlen verringert hat.

Solange es keine legalen Zuwanderungsmöglichkeiten nach Europa gibt, wird der Druck illegaler Migranten bleiben. Die Schwerpunktsetzung des Bundesinnenministeriums hat sich zum Glück von den belanglosen Rück­überstellungsabkommen mit anderen EU-Ländern – die Zahl der abgewiesenen Flüchtlinge ist verschwindend gering – mit dem Fachkräftezuwanderungsgesetz in diese Richtung verlagert. Es ist kein Geheimnis, dass Deutschland Migration braucht – nach Schätzungen der Arbeitgeber bis 2040 rund 6,4 Millionen Menschen. Das Land selbst sollte steuern können, woher sie kommen sollen, nicht die Schleuser.