Hintergrund Denis Mukwege ist ein Kämpfer für Frauen

Anerkennung für Denis Mukwege.
Anerkennung für Denis Mukwege. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Andre Bochow 06.10.2018

Gisela Schneider kennt den Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege. Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission e. V. in Tübingen arbeitet mit ihm im Ostkongo zusammen.

Frau Schneider, was empfanden Sie, als Sie hörten, dass Denis Mukwege den Friedensnobelpreis bekommt?

Ich konnte es zunächst gar nicht glauben. Es ist auch für uns eine ganz große Freude. Denn Denis Mukwege bekommt den Preis zu einem Zeitpunkt, zu dem er schon fast die Hoffnung aufgegeben hat, dass sich die Welt um die Opfer sexueller Gewalt im Kongo und anderswo kümmert. Im Kongo sind Vergewaltigungen eine Kriegswaffe. Die vielen bewaffneten Gruppen, die vor allem den Ostkongo terrorisieren, überfallen Dörfer, ermorden Männer, brennen Häuser nieder und vergewaltigen Frauen. Ich habe gerade in der Stadt Bunia, in der Provinz Ituri, viele Binnenflüchtlinge gesehen. Denn darum geht es: Menschen zu vertreiben, um an die Bodenschätze zu gelangen.

Was kann Mukwege dagegen tun?

Er kann Frauen helfen und ihr physisches Leid lindern. Denis Mukwege setzt sich aber auch dafür ein, dass vergewaltigte Frauen mehr Rechte bekommen und sexuelle Gewalt geahndet wird.

Ist er ein Einzelkämpfer?

Sein Beispiel wirkt. Besonders lokal. Mich hat sehr beeindruckt, wie viele junge Ärzte bereit sind, im Kongo zu bleiben  und sich hinter das Anliegen Mukweges zu stellen.  Das ist oft lebensgefährlich. Im April 2017 ist ein Gynäkologe erschossen worden, weil er sich für Frauen eingesetzt hat.

Sie arbeiten mit Mukwege zusammen. Was heiß das konkret?

Wir unterstützen seit über zehn Jahren den Aufbau von Gesundheitseinrichtungen, die Aus- und Weiterbildung von Fachärzten und die Verbesserung der Medikamentenversorgung. Das Terrain ist schwierig. Aber es wurde viel erreicht in Bukavu. Es gibt mittlerweile eine medizinische Fakultät.  Denis Mukwege bildet dort Fachärzte aus.

Wird er vom kongolesischen Staat unterstützt?

Nein.  Den  Polizeischutz, den er rund um die Uhr braucht, haben die Soldaten der UN-Mission Monusco übernommen.  Weil sich Mukwege laut für die Rechte der Frauen einsetzt, fühlen sich militante Gruppen, die für die sexuelle Gewalt verantwortlich sind, provoziert.

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