HARALD LACHMANN  Uhr
In Dresden war die Pegida-Bewegung vor wenigen Monaten stark wie nirgendwo sonst. Nun verabschiedet sie sich dezimiert in die Sommerpause.

"Pegida ist gekommen, um zu bleiben", gibt sich Tatjana Festerling dieser Tage kämpferisch. Doch die nur 3000 Sachsen, die sich am Montag wieder auf dem Dresdener Schlossplatz einfanden, deuten eher auf einen weiteren Abgesang der Bewegung, die im Herbst 2014 angetreten war, das Abendland vor vermeintlicher Islamisierung zu retten. Rund 30-mal liefen die Pegida-Demonstranten abends am Elbufer entlang, in Spitzenzeiten waren es mehr als 25 000 Teilnehmer. Nun muss Festerling Durchhalteparolen verkünden, tritt sie doch am 7. Juni für Pegida zur Dresdener OB-Wahl an. Für jenen Tag plant Pegida auch ein "Sommerfest", um sich in eine Protestpause zu verabschieden.

Ob man aus dieser im Herbst je zurückkehrt, ist im Moment ebenso offen wie das Wahlergebnis für Pegida. Über die Gründe des rasanten Aufstiegs einer Bewegung, die praktisch aus dem Nichts auftauchte, wie auch ihres nun wohl jähen Schlussakkords, rätseln Experten. Einer ist der Politikwissenschaftler Werner Patzelt von der TU Dresden. Er erforschte Motive und Potenzial der Mitläufer, blickte unter die Oberfläche, erwartete größere Nachhaltigkeit der Straßenproteste. Doch inzwischen orakelt selbst er, Pegida werde "demnächst verlöschen".

Als Ursachen machte er neben dem Zerfall der Pegida-Spitze im April vor allem Pegida-Gründer Lutz Bachmann selbst aus: Der vorbestrafte Drogendealer sei eine "weder rhetorisch noch intellektuell halbwegs ernstzunehmende" Führungsfigur gewesen. Hätte statt seiner "jemand wie Sachsens AfD-Chefin Frauke Petry" das Zepter geführt, wäre Pegida wohl in einer anderen Verfassung. Als Bachmann zuletzt auch noch den niederländischen Islamhasser Geert Wilders auf die Bühne holte, habe sich der Durchschnittsmitläufer - asylkritisch, aber nicht rechtsradikal - nicht mehr mit Pegida identifizieren können.