Berlin / GUNTHER HARTWIG  Uhr
Alle Kommunen müssen mit den Folgen einer älter werdenden Bevölkerung leben. Nur Gemeinden, die den Wandel aktiv gestalten, können profitieren.

Reiner Klingholz, Chef des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung, hat eine schlechte und eine gute Nachricht. Dass es für die Planung altersfreundlicher Kommunen keinen Masterplan gibt, wird die Betroffenen wie die Verantwortlichen nicht erfreuen. Doch die positive Botschaft des Demografie-Experten ist: Auch wenn jede Gemeinde für sich selbst den besten Weg zu einer "Stadt für alle Lebensalter" herausfinden muss, können gute Ideen und erfolgreiche Konzepte anderer Städte als Vorbilder dienen.

Das Institut hat von den 11.197 Kommunen in Deutschland 196 näher untersucht. Analysiert wurden geografische, demografische und ökonomische Daten von fünf verschiedenen Gruppen von Städten mit 50.000 bis eine Million Einwohner: Groß- und Universitätsstädte, Unternehmensstädte, ländliche Mittelstädte, Industriestädte und strukturschwache Städte. Dabei wurde deutlich, dass sich "der demografische Wandel in den Kommunen extrem unterschiedlich abspielt".

So sind viele ostdeutsche Gemeinden, die nach der Wende mit Geburteneinbruch und Abwanderung zu kämpfen hatten, in den vergangenen Jahren besonders stark gealtert. Doch gilt dieser Befund ebenso für manche ländliche Region im Westen der Republik. Mittlere Universitätsstädte haben zwar eine jüngere Bevölkerung, wachsen aber nicht spürbar, weil viele Studenten nicht dauerhaft in der Stadt bleiben. Von Zuwanderung profitieren wiederum Städte in Ballungsräumen, die ohnehin wirtschaftlich und finanziell besser gestellt sind.

Klingholz empfiehlt den Kommunen, den demografischen Wandel "aktiv zu gestalten". Dann verliere die Alterung der Bevölkerung ihr "Bedrohungspotenzial" und aus einer schwierigen Situation könne ein Standortvorteil werden. Notwendig seien eigene Anstrengungen sowie die Vernetzung mit vergleichbaren Kommunen, auch über nationale Grenzen hinweg. Das Berlin-Institut nahm bei seiner Studie die englischen Städte Manchester und Newcastle sowie die irische Grafschaft Louth unter die Lupe, die als europäische Vorreiter für einen gelungenen demografischen Wandel gelten.

Info www.berlin-institut.org.