Istanbul Davutoglu: Attentäter von Istanbul hat Terrormiliz IS angehört

Berlin / DPA 12.01.2016
Bei dem Selbstmordanschlag in Istanbul sind nach Angaben aus türkischen Regierungskreisen mindestens neun Deutsche getötet worden. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag verantwortlich gemacht. Aktuelle Ereignisse in Istanbul im Live-Ticker und Twitter-Feed
+++Aktualisierung 16:02 Uhr+++
Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für den Anschlag von Istanbul verantwortlich gemacht. Der Selbstmordattentäter habe der Terrormiliz IS angehört, sagte Davutoglu am Dienstag in Ankara.


Bei dem Selbstmordanschlag in Istanbul sind mindestens neun Deutsche getötet worden. Das teilte ein Regierungsvertreter, der anonym bleiben wollte, am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu habe aus diesem Grund am Dienstag Bundeskanzlerin Angela Merkel angerufen, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu. Er habe Merkel sein Beileid
und sein Bedauern ausgesprochen. Nach türkischen Angaben wurden insgesamt mindestens 10 Menschen getötet und 15 weitere verletzt.

Merkel hatte zuvor gesagt, dass es bei dem Anschlag wahrscheinlich auch deutsche Opfer gegeben habe. „Wir sind in großer Sorge, dass auch deutsche Staatsbürger unter den Opfern und Verletzten sein könnten und wahrscheinlich sein werden“, sagte Merkel nach einem Gespräch mit Algeriens Premierminister Abdelmalek Sellal in Berlin. Die Betroffenen seien Mitglieder einer deutschen Reisegruppe.

Das Auswärtige Amt habe einen Krisenstab eingerichtet und versuche, so schnell wie möglich, weitere Informationen zu bekommen, sagte die Kanzlerin. „Meine Gedanken sind in diesen Stunden natürlich bei den
Angehörigen der Opfer und bei den Verletzten.“ 

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sprach von einem „barbarischen feigen Akt des Terror“, den die Bundesregierung auf das Schärfste verurteile. Zugleich versicherte er: „Wir stehen fest an der Seite der Türkei.“ 

Zu der Detonation kam es in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee. Die beiden weltberühmten Gebäude gehören zu den beliebtesten Touristenattraktionen der Türkei.

Nach dem Anschlag verhängte die Regierung eine Nachrichtensperre. Zur Begründung teilte die Medienaufsicht RTÜK mit, ein solcher Schritt sei laut Gesetz möglich, wenn er der „nationalen Sicherheit“ diene. Eine dpa-Reporterin wurde von Polizisten daran gehindert, in der Umgebung des Anschlagsortes Fotos zu machen.

Die dpa-Reporterin berichtete vor Ort von zahlreichen Polizisten sowie Rettungskräften. Auch Bombenentschärfer seien im Einsatz, sagte sie.

Der IS hat im abgelaufenen Jahr mehrere Anschläge in der Türkei verübt, sich dabei aber vornehmlich auf kurdische Ziele konzentriert. Touristen waren allerdings bislang kein Anschlagsziel des IS.

Im Südosten des Landes läuft außerdem eine Offensive der türkischen Streitkräfte gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die damit gedroht hat, den Konflikt auch in den Westen der Türkei zu tragen. Die PKK greift aber in der Regel staatliche Einrichtungen an und ist bemüht, ihr Verhältnis zu westlichen Ländern zu verbessern.

Eine Reporterin von CNN Türk berichtete von schockierten Touristen, die nach der Explosion auf dem Pflaster gesessen hätten. Augenzeugen hätten gesagt, sie hätten einen Feuerball aufsteigen gesehen. Zu der Detonation sei es an dem ägyptischen Obelisken gekommen, der in der Nähe der Hagia Sophia, der Blauen Moschee und des Deutschen Brunnens steht. Die Explosion um 10.15 Uhr (Ortszeit/09.15 MEZ) war noch in einigen Kilometern Entfernung zu hören.

Information: Was Türkei-Reisende jetzt wissen müssen, lesen Sie hier.  

 

Islamistischer Terror in der Türkei

Allein im vorigen Jahr haben Terroranschläge in der Türkei rund 170 Menschen das Leben gekostet. Gleich mehrere sollen auf das Konto der Terrormiliz Islamischer Staat gehen.

Oktober 2015: Am Rande einer regierungskritischen Demonstration in der Hauptstadt Ankara reißen zwei Sprengsätze mehr als 100 Menschen in den Tod. Die Staatsanwaltschaft macht die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich.

Juli 2015: Im südtürkischen Grenzort Suruc sprengt sich ein Selbstmordattentäter in die Luft. 33 pro-kurdische Aktivisten sterben. Die Behörden zeigen auf die Terrormiliz IS, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015: Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Januar 2015: Im Istanbuler Touristenviertel Sultanahmet reißt eine Selbstmordattentäterin einen Polizisten mit in den Tod und verletzt einen weiteren. Zunächst bekennt sich die linksextremistische Untergrundorganisation DHKP-C zu dem Anschlag, zieht ihr Bekenntnis aber wieder zurück. Ermittlungen zufolge soll die Attentäterin Verbindungen zum IS gehabt haben.

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