Albrecht Kaul: Wegen Gefährdung des sozialistischen Friedens. Brunnen Verlag, Gießen. 128 Seiten, 11,99 Euro.

Anhand von 14 bewegenden Schicksalen zeigt Albrecht Kaul auf, wie das SED-Regime Menschen wegen ihres christlichen Glaubens verfolgte. Albrecht Kaul war ab 1968 evangelischer Jugendreferent in Sachsen und schreibt als Zeitzeuge. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Mauerfalls berichtet der Autor, wie DDR-Repräsentanten nichtstaatskonforme Pfarrer, Jugendleiter und Mitarbeiter von Kirchengemeinden unterdrückten.

Gerade für diejenigen, die die Wende und die Zeit vor 1989 nicht mehr bewusst miterleben konnten, gibt das Buch interessante Einblicke. Die Schilderungen der Betroffenen machen deutlich, dass es sich bei der DDR um einen totalitären Unrechtsstaat handelte, wo der Geheimdienst der DDR, die Stasi, Spitzel selbst im engsten Familien- oder Freundeskreis etlicher kirchlicher Repräsentanten platziert hatte.

Erschütternd ist der Fall des bekannten Jugendpfarrers Theo Lehmann, der mit seinen Jugendgottesdiensten in Karl-Marx Stadt bis zu 3000 Zuhörer anzog. Nachdem er später Einsicht in die Akten der Stasi erhielt, stellte er fest, von einem Freund im Auftrag der Stasi über Jahrzehnte ausspioniert worden zu sein. Die Stasi hatte den Freund während eines Gefängnisaufenthalts erpresst, rekrutiert und ihn sogar zum Kircheneintritt aufgefordert, um den Geistlichen besser ausspionieren zu können.

Ein roter Faden ist in dem Buch die Erinnerung an SED-Organe, die auf Christen Einfluss nehmen oder deren Aktivitäten unterbinden wollten. Diese sollten dadurch auf den politischen Kurs gebracht werden, der den DDR Machthabern richtig erschien. Weigerten sich die Betroffenen einzulenken, folgten Drohungen, Verhöre, der Verlust des Arbeitsplatzes oder Gefängnisaufenthalte.

Albrecht Kaul erlebte als Jugendreferent das Vorgehen von SED-Kadern gegen ein junges Ehepaar, das in der Jugendarbeit mit ihm zusammenarbeitete. Sie hatten nur Jugendliche zur Jungschar der evangelischen Domgemeinde in Zwickau eingeladen - in den Augen der Kader vor Ort war das bereits ein gesetzeswidriger Vorgang. Am Ende verlor die Frau des Ehepaars ihren Beruf als Logopädin, den sie erst nach der Wende wieder ausüben konnte.

Es gehört zu den Verdiensten des Buches die Erinnerung wachzuhalten, dass derjenige, der sich in der DDR zum christlichen Glauben bekannte, häufig die Chance der freien Berufswahl nicht mehr hatte und andere Einschränkungen und Schikanen erdulden musste.