Ulm Das Großprojekte-Spiel

Ulm / MARTIN HOFMANN 21.02.2013
Der Umgang mit Bauprojekten treibt Steuerzahlern Tränen in die Augen. Humor beweist, wer trotzdem lacht - etwa über diese Satire.

Wer als Kind oder mit Kindern größere Bauwerke aus Legosteinen zusammensetzt, hält sich tunlichst an die beigelegte Anleitung. Und er vermeidet, nach Spielende diverse Packungsinhalte zerlegt in eine große Kiste zu kippen. Sonst beginnt die geduldige bis unendliche Suche der passenden Einzelteile für den Wiederaufbau eines Gebäudes oder Fahrzeugs.

Doch solche Herausforderungen sind dem dänischen Spielzeughersteller längst nicht innovativ genug. Er begibt sich ganz auf die "Höhe der Zeit" und startet eine neue Modellbau-Serie, behauptet zumindest die Satire-Internetseite "Der Postillon". Für "kostspielige, aber erschwingliche" 69,99 Euro seien die Basissets BER, S 21 und Elbphilharmonie zu erstehen. Ziel dabei: "Kinder sollen sich keine Illusionen machen, was Großprojekte in Deutschland angeht", lässt die Satire-Seite den Lego-Geschäftsführer verkünden.

Also, Steine suchen war gestern. Die neue Herausforderung laute: Anhand "völlig unbrauchbarer Baupläne", nicht zu bewältigender Arbeitsschritte und dem Fehlen zentraler Teile doch einen Großflughafen bei Berlin, einen Tiefbahnhof in Stuttgart oder ein Konzerthaus in Hamburg zu errichten - im Miniaturformat versteht sich. Und damit Spielwert und Spielzeit nicht ablaufen, gebe es "vierteljährlich Erweiterungsboxen" (jeweils 29,99 Euro) mit zahllosen Planänderungen und noch mehr "unpassenden Teilen". Seine sprichwörtliche Liebe zum Detail erfülle der Spielzeugproduzent auch. So seien alle "Bauarbeiter mit zwei linken Händen ausgestattet", widme man vier Zusatzpackungen allein dem Brandschutz des Airports, während störende Wutbürger aus Viereck-Steinchen den Stuttgart-21-Fortschritt aufzuhalten versuchten. Titel der Baustein-Serie: "Gescheiterte deutsche Großprojekte."

Treibt da einer mit öffentlich finanzierten Desastern seine Gaudi? Satire-Schreiber Stefan Sichermann ist sie vortrefflich gelungen. Zwar nutzt er den guten Namen "Lego" missbräuchlich, doch setzt er das dänische Unternehmen auch werbetrommelnd in Szene. Wirklich dumm stehen alle politischen Aufseher der Großbaustellen da - und viele deutsche Michel.

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